Kill Bill Vol. 2

LEICHEN PFLASTERN IHREN WEG

Wie am Schluss von Kill Bill Vol.1 schon abzusehen war, setzt die Braut im zweiten Teil ihren Rachefeldzug gegen ihre ehemaligen Weggefährten Budd Sidewinder (Michael Madsen) und Elle Driver (Daryl Hannah) fort bevor es schliesslich zum grossen Showdown mit Bill kommt.

Teil 2 ist formal ähnlich und doch auch ganz anders als Teil 1. Gleich ist zum Beispiel die Unterteilung in Kapitel, welche nur lose zusammen hängen und dem Film so einen vignettenhaften Charakter verleihen. Auch die Chronologie ist wieder gehörig durchgerüttelt, steigen wir doch bei jener Szene ein, als sich die Braut bereits auf dem Weg zu Bill befindet. Im Verlauf des Films erfahren wir dann, wie es zum Massaker in der Kirche kam und auch welches Schicksal Budd und Elle ereilt.
Dazwischen gestreut sind Szenen, welche die Beziehung zwischen Bill und der Braut schildern, sowie ihr Martial Arts Training bei Pei Mei.

War Teil 1 eine Hommage an den Eastern, so ist Teil 2 eine Verbeugung vor dem Klassischen wie dem Spaghetti Western, ein Grossteil der Szenen ist vor dem Hintergrund einer weiten, staubigen Wüstenlandschaft gefilmt. In einer Szene läuft im Fernseher im Hintergrund gar ein Western. Daneben spielt Tarantino gekonnt mit Filmzitaten aus so unterschiedlichen Genres wie Film Noir und Vampir-/Zombiefilme.

Die Schauspieler laufen zu Glanzleistungen auf. Uma Thurman vereint in ihrer Figur glaubhaft die eiskalte, unaufhaltsame Tötungsmaschine und die liebende und fürsorgliche Mutter. Madsen gibt den ehemaligen professionellen Killer, der ein Dasein als Bouncer in einem viertklassigen Stripclub fristet und in einem heruntergekommenen Wohnwagen wohnt, der aber trotzdem seine Killerinstinkte noch nicht ganz verloren hat. Elle Driver ist die ambitionierte und kalt berechnende Ränkeschmiedin, die schlussendlich ihr gerechtes Schicksal ereilt. Aussergewöhnlich auch David Carradine als Bill, der einerseits unbarmherziger Anführer der Killerbrigade und andererseits vorbildlicher und liebender Vater ist. War er in Teil 1 noch eine gänzlich böse Figur, so wird sein Verhalten im zweiten Teil wenigstens ansatzweise verständlich; da er ein bisschen  zur Eifersucht neigt, hat er, als er herausfand, dass seine Freundin, die er eigentlich für tot hielt, im Begriff war, einen andern zu heiraten, eine Spur überreagiert.
Carradines Performance ist ausserdem auch eine Parodie seiner Darstellung des Caine (des stoischen Helden aus der Kult-Serie Kung Fu), wo er die Weisheiten, die er jeweils von sich gab, auch schon mit fernöstlichen Flötentönen untermalte. Tarantino charakterisiert seine Figuren mit sicherer Hand, und obwohl eigentlich alle seine Figuren böse sind, fällt es einem schwer, sich ihrem Charisma zu entziehen.

Vol.2 ist gemächlicher und melancholischer als der erste Teil und enthält auch einige typische, teilweise abstruse aber darum nicht weniger witzige Dialogsequenzen.
Die Gewaltszenen sind im Vergleich zum ersten Teil reduziert, wirken aber gerade dadurch viel intensiver. Starben im grossen Kampf zwischen O-Ren Ishii und der Braut die Leibwächter noch dutzendweise und spritzte das Blut literweise, sehen wir hier “nur” drei Figuren sterben. Die Gewalt ist aber viel persönlicher und unmittelbarer und der Zuschauer wird gekonnt dazu gebracht, die schlimmsten Momente quasi körperlich mitzufühlen.
Tarantino zelebriert einerseits Gewalt, gleichzeitig kann aber seine schon fast ins symbolhafte übersteigerte Darstellung von Gewalt als Kritik am herkömmlichen Hollywood-Kino gelesen werden, wo Gewaltdarstellungen schon längst so alltäglich geworden sind, dass sie kaum mehr einen Zuschauer zu berühren vermögen.
Tarantinos Film hingegen vermag zu berühren, nicht nur durch rohe Gewalt, sondern auch durch langsame und berührende Momente, vor allem die wunderschönen Szenen zwischen Bill und seiner Braut. Obwohl das Ende so kommt, wie es in einem Tarantino Film kommen muss, möchte man sich beinahe wünschen, dass diese Liebesgeschichte anders ausgegangen wäre…

“Kill Bill Vol. 2″ (Action) Buch und Regie: Quentin Tarantino (USA, 2004)
mit: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen, Daryl Hannah, Gordon Liu, Michael Parks

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