Avatar – Aufbruch nach Pandora

Trotz einiger Bedenken habe ich mich breit schlagen lassen, das neueste Werk vom “King of the World” (James Cameron) anschauen zu gehen; zum Glück in 3D (für diesen Film ein absolutes Muss), denn die Special Effects und die Fantasy-Welt von Pandora sind atemberaubend.

SYNOPSIS
Der Plot ist so simpel wie altbekannt: die Erdbewohner haben auf dem fernen Planeten Pandora ein extrem wertvolles Mineral (Unobtanium, ein Wortspiel auf unobtainable = unerreichbar) entdeckt, nur haben leider die Ureinwohner ausgerechnet auf dem Hauptvorkommen ihren Lebensmittelpunkt in Form eines gigantischen Baumes. Um ans Erz ranzukommen, muss also das indigene humanoide Volk der Na’vi dazu bewegt werden, umzusiedeln. Um mehr über die Na’vi und ihre Schwächen zu lernen, wurden aus einer Mischung von menschlicher und Na’vi DNA Avatars gezüchtet, die aussehen, wie die einheimische Bevölkerung. Der ehemalige paraplegische Marine Jake Sully (beeindruckent charismatisch Sam Worthington) wird aufgrund der Kompabilität seiner DNA auserkoren einen der Avatare zu “lenken”, da sein Zwillingsbruder, der eigentlich dafür vorgesehen war, bei einem Raubüberfall ums Leben kommt. Die Leiterin des Avatar-Programms, die Biologin Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) ist gar nicht davon angetan, dass ihr ausgerechnet ein dumber Soldat ohne Kenntnisse der Sprache und Gebräuche der Na’vi aufs Auge gedrückt wird. Doch Jake lässt sich davon nicht beirren und ist zu sehr angetan davon, dass er in Form seines Avatars wieder laufen kann. Im Laufe eines Erkundungsausfluges wird er von seinem Team getrennt und gerät in der unwirtlichen Natur in Bedrängnis. Es kommt wie es kommen muss; er wird von der Tochter des Stammesführers, Neytiri (Zoe Saldana) gerettet. Mit seinen kämpferischen Qualitäten gewinnt er den Respekt der Männer und mit seiner naiven Unbekümmertheit das Herz der “Prinzessin”. Während er die Sprache und Gebräuche der Na’vi studiert, wird er von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), dem Sicherheitschef auf Pandora, als Militär-Spion verpflichtet, im Gegenzug will der Colonel dafür sorgen, dass ihm die Operation finzanziert wird, so dass er wieder laufen kann. Nachdem der “Heimatbaum” der Na’vi bei einem brutalen Angriff zerstört wird und Jake zugibt, als Informant für das Militär gearbeitet zu haben, wenden sich die Na’vi von ihm ab. Jake erkennt, dass sein “wirkliches” Leben bei den Na’vi ist; seine Wahrnehmung was Traum und was Wirklichkeit ist, hat sich verschoben. Um die Na’vi zu einen, zähmt er in einem halsbrecherischen Manöver den mythischen Raubvogel “Toruk” und kann so die indigenen Völker hinter sich vereinen. Vor dem grossen Entscheidungskampf fleht Jake Eywa um Hilfe an, aber Neytiri meint, “Mutter Natur” sei unparteiisch. Es kommt zur “Luftschlacht” um Pandora, die von den Na’vi gewonnen wird. In der Endsequenz entscheidet sich Jake dazu, sein Bewusstsein von seinem menschlichen Selbst permanent auf sein Avatar zu übertragen.

DARSTELLER
Sam Worthington: der charismatische Australier überzeugt sowohl als Jake Sully, wie auch als Avatar. Er strahlt eine ungeheure Leinwandpräsenz aus, mit der er schon in Terminator Salvation als Marcus Wright Hauptdarsteller Christian Bale an die Wand gespielt hat
Sigourney Weaver: cool, mit roten Haaren ist Dr. Grace Augustine eine Mischung aus Ellen Ripley (Aliens-Reihe) und Diane Fossey (Gorillas in the Mist)
Stephen Lang: Colonel Miles Quaritch wirkt überzeichnet; er ist noch psychopathischer als Michael Biehn als Lt. Hiram Coffey in Abyss und noch schwerer tot zu kriegen als H. R. Gigers auserirdisches Monster
Zoe Saldana: schwierig zu beurteilen, welcher Anteil der Figur auf ihre Darstellung zurück zu führen ist, da sie im Film nur als Avatar vorkommt
Giovanni Ribisi: trotz relativ kleiner Rolle vermag Ribisi der von Zweifeln geplagten Figur des Parker Selfridge (als Galionsfigur des Schürf-Konsortiums RDA) Menschlichkeit einzuhauchen
Michelle Rodriguez: hätte sie fast nicht wieder erkannt als Militärpilotin Trudy Chacon; blass

INTERTEXTUALITÄT
Jeder Zuschauer nimmt auf Grund seines sozio-kulturellen Hintergrundes Referenzen und Anspielungen auf andere kulturelle Texte (“Texte” umfassen hier im Sinne von Derrida nebst schriftlichen auch bildliche, filmische und andere Werke) unterschiedlich wahr. Wahrscheinlich ist es gar nicht möglich, alle intertextuellen Referenzen zu benennen, zudem diese teilweise auch sehr subjektiv sind. Camerons Avatar ist gespickt mit solchen Verweisen und ich möchte hier nur einige benennen, die mir persönlich aufgefallen sind.
Beim ersten Briefing, nachdem die neuen Soldaten und Wissenschaftler, unter ihnen Jake Sully, auf Pandora eingetroffen sind, begrüsst Sicherheitschef Colonel Quaritch die Neulinge mit den Worten “You are not in Kansas anymore”. Diesen Satz sagt Dorothy nachdem sie nach einem Tornado in einem magischen Land erwacht zu ihrem Hund Toto; nicht von ungefähr gilt The Wizard of Oz als der erste Fantasy-Film überhaupt. James Camerion sagt zwar, dass es sich bei Avatar um ein “Original-Script” handelt, wobei er einen ersten Entwurf schon vor über 15 Jahren geschrieben hatte, aber die Filmtechnik sei bisher noch nicht so weit gewesen, den Film verwirklichen zu können. Obwohl die Geschichte nicht explizit auf einem Roman oder Comic basiert, sind doch viele mythische, literarische und und filmische Einflüsse erkennbar. Die Geschichte vom weissen Abenteurer, der von der einheimischen Prinzessin gerettet wird und von ihr die Sprache und Bräuche lernt, mahnt stark an Pocahontas, die auch als Mittlerin zwischen ihrem Volk (Virginia-Algonkin) und den Kolonisten fungierte. Auch weitere Details, wie die Verbundenheit aller Dinge untereinander, sowie die schamanistische Kultur/Religion der Na’vi sind am Vorbild der Ureinwohner Amerikas angelehnt. Dazu gehört dann auch der Initiationsritus junger Krieger über eine Mutprobe.
Als fleissige Web-Nutzer sind wir fast täglich mit einem Avatar unterwegs, sei es in Foren oder in Virtual Reality Games wie Second Life oder WoW. Laut Wikipedia ist ein Avatar “eine künstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt”. Die Idee von zwei parallelen Welten, einer realen und einer virtuellen wurde ja schon von den Wachowski-Brüdern in der Matrix-Trilogie ausgelotet, wobei auch dort die Grenzen zwischen “real” und “virtuell” verwischt werden.
In der “Zähmung” des Toruk erkenne ich eine Grundstruktur von slavischen (und ungarischen) Märchen, wo der Held den “Feuervogel” bezwingen muss, um die Gunst der Prinzessin zu erlangen, oder im Fall von Jake, “wiederzuerlangen”. Die Reittiere der Na’vi, die “Direhorses” erinnern mich mit ihren zwei Paar Vordergliedmassen an Odins mythologische Streitross “Sleipnir” (welches natürlich charakteristischerweise 8 Beine hat).
Auch die “Kampfroboter” haben wir in ähnlicher Art schon gesehen, und zwar einerseits in der originalen Star Wars Trilogie von George Lucas und andererseits als Laderoboter, mit welchem Ellen Ripley in der Schlussszene von Aliens (ebenfalls von James Cameron) das Monster bezwingt. Überhaupt scheint sich Cameron gern selber zu zitieren, so z.B. in der Szene, wo Grace Alexander nach der Trennung von ihrem Avatar aus der Schlafkapsel aufsteht und sofort nach einer Zigarette verlangt; in Aliens gibt es eine wunderbare Sequenz, in der wir eine Nahaufname von Ripleys Hand sehen, in der sie eine Zigarette hält, kurz nachdem sie aus ihrem Kälteschlaf erwacht ist…

KRITIK
Auf einer intellektuellen Ebene stehe ich diesem Film sehr zwiespältig gegenüber; einerseits finde ich ihn ein tolles Fantasyspektakel mit atemberaubenden Naturaufnahmen und spektakulären Special Effects, wobei die Grenzen zwischen “realen” Aufnahmen und visuellen Effekten so gekonnt verwischt werden, das wir uns in eine andere Welt versetzt fühlen, die uns aber vom ersten Augenblick an gefangen nimmt.
Viele Kritiker haben dem Film Öko-Propaganda der plumpen Art vorgeworfen; es ist bestimmt nicht verkehrt, einen Film dazu zu nutzen, auf die ökologischen Probleme auf unserer Welt aufmerksam zu machen. Doch ist das ein vielschichtiges Problem, welches in Avatar leider viel zu eindimensional daher kommt. So ist wird alles, was irgendwie mit Natur zu tun hat, mit positiven Eigenschaften versehen und alles, was mit Technik oder Maschinen zu tun hat, wird verteufelt. Selbstverständlich besiegen die indogenen Na’vi mit Hilfe ihrer mythischen Flugtiere das modernste, was menschliche Technik zu bieten hat. Ein Wunschtraum, hat uns doch die Geschichte gelehrt, dass in der Vergangenheit der Vorteil meist bei der technisch überlegenen “Nation” lag. Es liegt auch eine gewisse Ironie darin, dass dieser als “Öko-Märchen” verkleidete Film nur mithilfe modernster CGI-Technik realisierbar war und all die wunderschönen Landschaften und Fabelwesen beinahe komplett am Computer generiert wurden.
Nicht nur aufgrund der offensichtlichen Pocahontas-Parallele erscheint das Volk der Na’vi wie eine Schablone für die Urbevölkerung Amerikas; Cameron bedient von vorne bis hinten alle gängigen Stereotypen der Indianer, von gefährlichen Initiationsriten, einer schamanistischen, naturverbundenen Religion bis hin zum edlen Wilden. Aus kultur-kritischer Perspektive kommt so eine reduktive Darstellung sehr neo-imperialistisch daher. Schade, denn ein differenzierter Umgang mit dem schwierigen Thema vom Aufeinander Treffen von indigener Bevölkerung und (amerikanischen) Kolonisten und dem Raubbau an natürlichen Ressourcen hätte dem Film sicher nicht geschadet. Die Kolonisten sind zwar fürs erste zurück gedrängt, aber es ist eigentlich klar, dass sie zurück kommen werden; der Terminator lässt grüssen.

Originaltitel: Avatar (USA 2009)
Buch und Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana, Stephen Lang, Sigourney Weaver, Giovanni Ribisi, Michelle Rodriguez
Dauer: 162 min.

Underworld Evolution

Verkehrte Vampirwelt

Drei Jahre nach dem Überraschungserfolg von “Underworld” gibt’s nun endlich die Fortsetzung. Die Vampir-Älteren sind alle tot und Selene und Michael sind auf der Flucht und auf der Suche nach Antworten. Dabei stossen sie auf den Ursprung der Feindschaft zwischen Vampiren und Werwölfen und Selene muss einmal mehr die Welt vor ausser Kontrolle geratenen Monstern retten.

Der Film
Woran dieser Film vor allem kränkelt, ist ein Übermass von profillosen Protagonisten, so dass man bald nicht mehr weiss, wer wer ist. Zum Glück werden einige gleich zu Beginn des Films hingemacht, wobei die reduzierte Anzahl von Charakteren immer noch zahlreich genug ist, um die Konzentrationsfähigkeit des Publikums arg auf die Probe zu stellen. Das soll jetzt aber nicht heissen, dass der Film schlecht ist; die Handlung ist nachvollziehbar, wird jedoch durch einige Rückblenden (unnötig) verkompliziert. Die Spezialeffekte und Stunts überzeugen, die Action ist rasant und auch die Landschaftsaufnahmen und Sets haben den richtigen “Gothic Look”, verstärkt noch durch das kalte blaue Licht, in das der Film getaucht scheint. Für die Romantiker im Publikum entwickelt sich auch eine zarte Beziehung zwischen Selene und Michael, die beinahe ein Shakespeare’sches Ende nimmt.

Rollentausch
Die Liebesgeschichte zwischen Selene und Michael verläuft allerdings unter verkehrten Vorzeichen. Obwohl Michael durch Selenes Biss jetzt die Kräfte von Vampir und Werwolf in sich vereint, ist es Selene, die bestimmt, was gemacht wird und die die Rolle des Beschützers übernimmt. Als die beiden auf ihrer Flucht in einem unterirdischen Bunker halt machen, soll Michael im Versteck warten, während Selene in Victors Villa zurückkehrt um den letzten noch verbliebenen Vampir-König, Marcus zu erwecken. Allein im Bunker kann sich Michael nicht dazu überwinden, von den dort gelagerten Blutkonserven zu trinken und entschliesst sich stattdessen, das sichere Versteck zu verlassen um in einer rustikalen Gaststätte ein herzhaftes Mahl zu sich zu nehmen. Sein verwandelter Körper kann jedoch mit der menschlichen Kost nicht viel anfangen und reagiert dementsprechend, was natürlich die Aufmerksamkeit der zufällig auch gerade dort speisenden Polizisten erregt. Es folgt eine wilde Flucht vor Polizisten und einem neu erweckten Vampirältesten, wobei Michael einmal mehr von Selene gerettet werden muss.

Transformationen
In anderer Hinsicht ist der Film jedoch konservativer. Während sich die männlichen Protagonisten bei Kämpfen und in anderen Extremsituationen in behaarte, zähnefletschende Monster/Tiere verwandeln, macht die kleine Kate ihre Gegner im Lackkostüm und ohne allzu grosse Anstrengung platt. Nie wird ihre kühle Schönheit durch die Verwandlung in eine kaum widererkennbare Kreatur verunstaltet. Obwohl die Frau in diesem Action-Film die aktive Rolle hat, scheint die Verunstaltung des schönen weiblichen Körpers einen Tabubruch darzustellen, der nicht imaginiert werden kann. Immer noch wird der Blick des Zuschauers als männlich konstruiert; denn der weibliche Blick wird irritiert durch den Anblick von Michael in seiner Form als hybrides Monster.

Die Ungarn-Connection
Als die Polizisten Michael im Wald verfolgen, reden sie untereinander ungarisch und auch ihre Wagen sind mit “Rendörség” (ungar. Polizei) beschriftet. Ausserdem leitet sich der Name “Corvinus” vom ungarischen Renaissance-König Mátyás Hunyadi, der sich mit Bezug aufs Familienwappen (welches einen Raben mit einem Ring im Schnabel zeigt) auch Matthias Corvinus nannte. Als ihn Vlad Tepes (das historische Vorbild für Dracula) um 1492 um Hilfe gegen die Türken bat, liess ihn König Matthias einkerkern; Corvinus Verwandte Ilona Szilágyi verliebte sich in Vlad Tepes und er wurde teilweise begnadigt.
Historisch ist es jedoch so, dass die Vampirlegenden ausschliesslich in der slavischen Überlieferung verortet sind, und der ungarischen Folklore vollkommen fremd sind. Dass Ungarn und Vampire doch in Verbindung gebracht werden, daran ist wohl Bram Stoker schuld: als er Dracula in Transylvanien (zur damaligen Zeit zu Ungarn gehörend) ansiedelte und auch sonst zahlreiche Verweise zu ungarischen Kultur einflocht, führte das dazu, dass Vampire im kulturellen Gedächtnis für alle Zeiten mit Ungarn verknüpft sind.

Coole Horror-Action für Vampirfans mit einer romantischen Ader.

Originaltitel: Underworld Evolution (USA 2006)
Regie: Len Wiseman
Darsteller: Kate Beckinsale, Scott Speedman, Derek Jacobi, Michael Sheen, Tony Curran, Shane Brolly
Dauer: 108 min.
CH-Verleih: Buena Vista International

Underworld

Vampire vs. Werwölfe

In einer düsteren Welt, wo sich Vampire und Werwölfe seit jahrtausenden bekriegen, verliebt sich eine kompromisslose Vampirkriegerin in einen gewöhnlichen Sterblichen, der allerdings ein explosives Geheimnis in sich trägt.

Unnatürlicherweise fand die Pressevisionierung für diesen vornehmlich nachts spielenden Film um 10 Uhr in der Früh statt. Die Verfasserin dieses Artikels betrat das Kino Punkt 10 Uhr (eine Kirchenglocke schlug gerade die volle Stunde), zu welchem Zeitpunkt der Film schon begonnen hatte. Als die Verfasserin den Kinosaal betrat, war auf der Leinwand gerade der Vorspann zu sehen und sie bemerkte vage, dass die Reihen ziemlich gut besetzt schienen. Um niemanden zu stören, beschloss sie zu warten bis der Film anfing, um sich einen Platz zu suchen, da dann meist wesentlich heller wird im Kino. Sie sollte jedoch enttäuscht werden; der Film wurde mit einer düsteren Nachtszene eröffnet, in welcher die Heldin in einem Voice-Over die Prämisse für den Film darlegt.
Nach einigen Minuten dämmerte es der Verfasserin, dass wohl der ganze Film in dieser düsteren kalt blau-grauen Atmosphäre spielen würde, doch hatten sich ihre Augen in der Zwischenzeit an die Dunkelheit gewöhnt und sie liess sich vorsichtig in einen freien Sessel am Rande nieder. Die Heldin des Films, Selene, eine Death-Dealerin (Kate Beckinsale) kauert auf der Balustrade einer gotisch anmutenden Architektur und sinniert über ihr Dasein als Vampir und die schon Jahrtausende andauernde Fehde zwischen Vampiren und Lycans nach (dem Volksmund besser bekannt unter dem Begriff “Werwolf”), während sie durch ein High-Tech Fernglas eine Horde von Werwölfen beobachtet. Auf der folgenden Verfolgungs- und Vernichtungsjagd durch U-Bahn Tunnels und andere unterirdische Schächte beschleicht unsere Heldin das Gefühl, dass die Werwölfe nicht zufällig dort sind, sondern dass sie offenbar hinter einem bestimmten Menschen her sind. Als sie ihren Verdacht, dass die Lycans wohl einen grösseren Coup planen, dem unbedarften Vampirführer Kraven (Shane Brolly) mitteilt, tut dieser ihre Bedenken ab. Unsere Heldin lässt sich jedoch nicht beirren und macht sich in der Folge auf eigene Faust auf die Suche nach dem schwer zu fassenden Menschen.
“Underworld” ist das Resultat einer Co-Produktion verschiedener Länder (GB, D, HUN, USA) und hat je nach Quelle läppische 23-30 Mio. US-Dollar gekostet. Der Film orientiert sich an Genreklassikern wie American Werwolf, Blade und Matrix, wie der eingefleischte Filmfan unschwer erkennen wird. Geschickt wird aus diesen unterschiedlichen Filmzitaten eine stilistisch beeindruckende, unterkühlte Fantasy-Welt erschaffen, in der sich Vampire und Werwölfe mehr oder weniger unbemerkt im Schutz der Dunkelheit tummeln. Der Zuschauer wird unweigerlich in eine seltsame Zwischenwelt entführt, die sich seit Stokers Dracula unauslöschlich in die Imagination und das Gedächtnis unserer Kultur festgesetzt hat.
Die unterschwellige Irritation des Filmes entsteht auch durch die Vertauschung der Geschlechterrollen, vor allem in der angedeuteten Liebesgeschichte zwischen Selene und Mark Corvin (Scott Speedman). Zwar gibt es schon bei Stoker weibliche Vampire, die über übernatürliche Kräfte verfügen, doch sind diese einerseits selbst Opfer von Dracula und anderseits werden ihnen jegliche weibliche Eigenschaften abgesprochen; sie sind Monster. Selene ist kein Monster, doch ist sie auch nicht menschlich, sie verfügt über aussergewöhnliche Kräfte, die sie jedem Menschen überlegen machen; so ist sie es, die den verwundbaren Mark sowohl vor den Werwölfen wie auch den Vampiren beschützen muss. Ausserdem sind alle männlichen Figuren im Film fehlbar, was sie als Identifikationsfiguren ungeeignet erscheinen lässt. Der Blick des Zuschauers / der Zuschauerin, in unserer Kultur unweigerlich männlich geprägt, wird auf eine weibliche Identifikationsfigur zurückgeworfen, was bis anhin in amerikanischen Actionfilmen leider immer noch eher eine Ausnahme denn die Regel darstellt.
Der Film verwischt ausserdem geschickt die Grenzen zwischen Gut und Böse. Von den Vampiren, am Anfang des Films noch als die Guten eingeführt, bröckelt bald die Fassade der Rechtschaffenheit, während die Werwölfe, zu Beginn als ungehobelte, unbeherrschte Kreaturen verschrien, sich im Zuge des Films bald als Opfer einer rücksichtslosen Machtpolitik der Vampire entpuppen.
Dieser unterhaltsame Film ist in den USA unversehens zum Erfolg geraten und ist sicher ein unbedingtes Muss für alle Fans von Vampirfilmen à la Blade. Kate Beckinsale überzeugt trotz fehlender Grösse dank ihrer Präsenz als zähe Vampirkriegerin im sexy Lackkostüm und auch Scott Speedman verkörpert den verwundbaren, wenn auch nicht hilflosen Menschen glaubwürdig. Einige der andern männlichen Darsteller lassen jedoch zu wünschen übrig. Der Film ist sehenswert, einzig das penetrant offene Ende, dass geradezu nach einer Fortsetzung schreit, vermag den positiven Eindruck ein bisschen zu schmälern.

“Underworld” (Action, Fantasy, Horror, Thriller) von Len Wiseman (GB, D, HUN, USA, 2003)
mit: Kate Beckinsale, Scott Speedman, Michael Sheen, Shane Brolly, Bill Nighy, Sophia Myles
Dauer: 121min
Schweizer Verleih: Elite

Blade: Trinity

Urbane HipHop Vampirlegende für MTV-süchtige Teenies

“Aller guten Dinge sind drei”, dies gilt leider nicht für den letzten Teil der Blade Trilogie. Wiesen die Teile 1 und 2 jeweils die unverkennbare Handschrift ihres Regisseurs auf (Stephen Norrington und Guillermo del Toro), so lässt dieses als Horror/Action Movie verkleidete Mainstream Video jegliche Handschrift missen.

Die Story, sofern sie denn als solche bezeichnet werden kann, ist schnell erzählt. Die Vampire, die sich mittels ihrer Geschäftstüchtigkeit in der Gesellschaft etabliert haben, wollen die Weltherrschaft endgültig an sich reissen. Zu diesem Zwecke graben sie den ersten aller Vampire, Dracula (Dominic Purcell), der aus unerfindlichen Gründen in einem Tempel im Irak ruht, wieder aus. Ausserdem wollen sie endlich ihren ärgsten Feind, Vampirjäger Blade (Wesley Snipes), loswerden. Auf einer seiner Säuberungsaktionen im nächtlichen Grossstadtdschungel bringen sie Blade durch eine List dazu, einen Menschen zu töten, worauf sich das FBI an seine Fersen heftet, da sie ihn für einen unberechenbaren Psychopathen halten. Blade und Whistler (Kris Kristofferson) werden ausgeräuchert, wobei Whistler umkommt und Blade zunächst in Polizeigewahrsam und dann in die Fänge der Vampire gerät. Aus dieser Misere wird er von einer Truppe spät pubertierender Möchtegern Vampirjägern befreit, darunter der unehelichen Tochter von Whistler, Abigail (Jessica Biel) und Sprücheklopfer Hannibal King (Ryan Reynolds).
Ein Grossteil des Films besteht aus einer Serie spektakulärer aber total unmotivierter Verfolgungsjagden. Blade verfolgt Obervampir Drake Treppen rauf und runter und über Häuserdächer, nur um sich danach verbal mit ihm auszutauschen. Auch die Effekte sind alle irgendwie schon mal da gewesen: Drake kann die Gestalt jedes beliebigen Menschen annehmen (der T-1000 konnte das auch schon und besser) und verwandelt sich bei Bedarf in ein abscheuliches Monster mit einem Extra-Set Zähne (Alien lässt grüssen). Die Vampir-Hunde sind zwar niedlich, aber nicht unbedingt bedrohlich. Auch die Blutfarm der Vampire, mit den eingeschweissten und komatosen Menschen erinnert gleich an zwei Filme, nämlich an “Alien: Resurrection”, wo Ripley 8 das Labor mit den früheren Versionen ihrer Selbst entdeckt und an die Matrix, wo Menschen als Batterien für die Maschinen dienen.
Ein bisschen ein beklemmendes Gefühl hat bei mir die Art der Vernichtung der Vampire verursacht; die werden nämlich nicht mehr klassisch mit einem spitzen Gegenstand ins Herz getötet, sondern durch ein gentechnisch hergestelltes Virus, das spezifisch Vampire (also eine bestimmte Gruppe von Wesen) targetiert. Auch wenn es sich um einen Horrorfilm handelt, finde ich den unkritischen Umgang mit solchen Ideen trotzdem bedenklich.
Der Soundtrack für den Film stammt von The RZA, dem Kopf des Wu-Tang Clans, der auch schon für die Filmmusik von “Ghost Dog” (Jim Jarmusch) und Kill Bill (Quentin Tarantino) verantwortlich zeichnete. Der Sound ist wirklich stark, was allerdings dazu führt, dass er den Film nicht untermalt, sondern trägt. Wer sich also ein rasantes, actionreiches Musikvideo ansehen will, ist mit “Blade: Trinity” richtig bedient.

Originaltitel: Blade: Trinity (USA 2004)
Regie: David S. Goyer
Darsteller: Wesley Snipes, Kris Kristofferson, Jessica Biel, Ryan Reynolds, Parker Posey, Triple H
Dauer: 95 min.
CH-Verleih: Fox Warner