Kill Bill Vol. 1

Teil 1 von Quentin Tarantinos Hommage an asiatische Martial Arts Filme und amerikanische Spaghetti Western

Nach einer sechs lange Jahre dauernden Durststrecke beglückt Quentin Tarantino seine Fans mit seinem bisher blutigsten und actionreichsten Film. Anders als seine früheren Werke negiert Kill Bill jedweden Bezug zu einer noch so unwirklich anmutenden Realität und geht ganz in einem phantastischen Parallel-Universum des Films auf.

Die Story
An ihrem Hochzeitstag wird Black Mamba (Uma Thurman), die einem Elite-Mordkommando namens Deadly Viper Assassination Squad (DiVAS) angehört, von den andern Gruppenmitgliedern brutal zusammengeschlagen und dann wird die schwangere Braut von ihrem ehemaligen Lover Bill (David Carradine), der zugleich der Boss von DiVAS ist, in den Kopf geschossen und als tot zurückgelassen.
Die fortan nur noch “The Bride” genannte Profikillerin ist jedoch nicht tot, sondern in einem Koma, aus welchem sie erst 4 Jahre später erwacht. Als sie sich erinnert, was ihre früheren Kollegen ihr angetan haben, macht sie sich auf, jeden einzelnen von ihnen zu finden und sich zu rächen. Die erste auf ihrer Liste ist O-Ren Ishii, genannt Cottonmouth (Lucy Liu), die inzwischen zum obersten Boss der japanische Yakuza aufgestiegen ist. Mit den Leibwächtern von Ishii liefert sich die Braut ein 20-minütiges Gemetzel, bevor es zum grossen Showdown im Schnee zwischen der Braut und Ishii kommt.
Zurück in Pasadena schaltet die Braut in einer bizarren Szene ausserdem auch Copperhead, alias Vernita Green (Vivicia A. Green) aus. Der Film endet mit einer Sequenz, in welcher Bill die von Black Mamba verstümmelte Sophie (Julie Dreyfus) fragt, ob die Braut wisse, dass das Kind, mit welchem sie bei dem Anschlag schwanger war, noch lebe…

Warum zwei Teile
werden sich Tarantino Freaks fragen. Na, erstens weil es wohl im Trend liegt und ausserdem wäre der Film in seiner blutigen Intensität in einer Gesamtlänge von über 3 Stunden der Sensibilität des feinsinnigen Publikums nicht zumutbar, fand der Regisseur (die Produzenten stimmten ihm zu; so lässt sich gleich zweimal Kasse machen, möchte man als Zynikerin meinen). Der zweite Teil, wo Black Mamba im Finale Grande endlich auf Bill trifft, nachdem sie die restlichen Mitglieder von DiVAS ausgeschaltet hat, soll im Frühjahr 2004 in unsere Kinos kommen; man darf gespannt sein.

Film
Kill Bill erinnert einerseits an frühere Tarantino Filme und ist andererseits formal und inhaltlich noch radikaler. Auch dieser Film ist anachronistisch erzählt, doch haben die einzelnen Szenen teilweise keine narrative Verbindung mehr sondern muten eher wie eine Sammlung von Vignetten an, deren einzige Verbindung der Rachedurst der Protagonistin ist. Der Film verweist auf keine Wirklichkeit, wie Tarantino sie sieht, mehr, sondern ist eine Art postmoderne Zitatensammlung aller Filme, die Tarantino beeinflusst haben. Doch wirken diese Zitate nicht aufgesetzt, sondern sie sind zu einem kohärenten Ganzen verwoben und verleihen Kill Bill eine zusätzliche Ebene. Da wäre zum Beispiel das Motto “Revenge is a dish best served cold”, welches Trekki Fans als Klingonisches Sprichwort aus “Star Trek 2: The Wrath of Khan” bekannt sein dürfte. Das Rachemotiv ist uns ausserdem aus zahlreichen Spaghettiwestern vertraut.
Der durch und durch böse Bill wird ironischerweise von David Carradine gespielt, bekannt aus der erfolgreichen Serie “Kung Fu”, welche ursprünglich für Bruce Lee konzipiert worden war. Black Mamba trägt bei ihrem Kampf in Haus der Blauen Blätter den auch einen Anzug, der genau so aussieht, wie jener, den Bruce Lee in seinem letzten Film getragen hatte. Auch Hattori Hanzo, gespielt von Sonny Chiba, als japanischer Schwertmeister, ist einer erfolgreichen japanischen Detektivserie entsprungen.
Quentin Tarantino experimentiert mit verschiedenen formalen Ausdrucksformen; O-Ren Ishiis Geschichte, wie sie von einem 7-jährigen Mädchen, das den brutalen Mord an ihren Eltern miterleben musste zum obersten Crime-Boss in Tokyo wird, wird als “anime” dargestellt. Auch Black Mambas Kampf mit den “Crazy 88″, der Leibgarde von Ishii, ist verfremdet dargestellt; meiner Meinung nach nicht, um die Szene zu entschärfen, sondern als formales Mittel. Überhaupt ist Kill Bill ein Film, der nicht auf inhaltlichen Zusammenhängen basiert, sondern viel mehr über formale Verknüpfungen arbeitet. Der Film hat eigentlich keine narrative Struktur, sondern ist eine Ansammlung perfekt choreografierter Kampfszenen, mit einigen komischen Einlagen, wobei Tarantino die Dialoge sparsamer einsetzt als in seinen bisherigen Werken. Die einzelnen Szenen sind in einem perfekten Rhythmus von schnell und langsam angeordnet, dass die Spannung über den ganzen Film erhalten bleibt.
Kill Bill ist das programmatische Beispiel eines postmodernen Filmes, der Inhalt und Narrativität eine Absage erteilt, und sich ganz über die Form definiert, und mit Versatzstücken und Zitaten gekonnt spielt. Kill Bill ist Tarantinos Liebeserklärung an asiatische Martial Arts Filme und amerikanische B-Movies. Das Ganze wird getragen von einem tollen Soundtrack, der den Film perfekt untermauert, jeder Song genau auf die Szene abgestimmt und genau so eklektisch wie die Filmzitate selbst. Allein schon der Soundtrack lohnt das Kinoticket.

“Kill Bill – Vol. 1″ (Action, Martial Arts) von Quentin Tarantino
mit: Uma Thurman, Lucy Liu, David Carradine, Daryl Hannah, Vivicia A. Fox, Michael Parks, Michael Madsen, Sonny Chiba, Julie Dreyfus

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