Underworld Evolution

Verkehrte Vampirwelt

Drei Jahre nach dem Überraschungserfolg von “Underworld” gibt’s nun endlich die Fortsetzung. Die Vampir-Älteren sind alle tot und Selene und Michael sind auf der Flucht und auf der Suche nach Antworten. Dabei stossen sie auf den Ursprung der Feindschaft zwischen Vampiren und Werwölfen und Selene muss einmal mehr die Welt vor ausser Kontrolle geratenen Monstern retten.

Der Film
Woran dieser Film vor allem kränkelt, ist ein Übermass von profillosen Protagonisten, so dass man bald nicht mehr weiss, wer wer ist. Zum Glück werden einige gleich zu Beginn des Films hingemacht, wobei die reduzierte Anzahl von Charakteren immer noch zahlreich genug ist, um die Konzentrationsfähigkeit des Publikums arg auf die Probe zu stellen. Das soll jetzt aber nicht heissen, dass der Film schlecht ist; die Handlung ist nachvollziehbar, wird jedoch durch einige Rückblenden (unnötig) verkompliziert. Die Spezialeffekte und Stunts überzeugen, die Action ist rasant und auch die Landschaftsaufnahmen und Sets haben den richtigen “Gothic Look”, verstärkt noch durch das kalte blaue Licht, in das der Film getaucht scheint. Für die Romantiker im Publikum entwickelt sich auch eine zarte Beziehung zwischen Selene und Michael, die beinahe ein Shakespeare’sches Ende nimmt.

Rollentausch
Die Liebesgeschichte zwischen Selene und Michael verläuft allerdings unter verkehrten Vorzeichen. Obwohl Michael durch Selenes Biss jetzt die Kräfte von Vampir und Werwolf in sich vereint, ist es Selene, die bestimmt, was gemacht wird und die die Rolle des Beschützers übernimmt. Als die beiden auf ihrer Flucht in einem unterirdischen Bunker halt machen, soll Michael im Versteck warten, während Selene in Victors Villa zurückkehrt um den letzten noch verbliebenen Vampir-König, Marcus zu erwecken. Allein im Bunker kann sich Michael nicht dazu überwinden, von den dort gelagerten Blutkonserven zu trinken und entschliesst sich stattdessen, das sichere Versteck zu verlassen um in einer rustikalen Gaststätte ein herzhaftes Mahl zu sich zu nehmen. Sein verwandelter Körper kann jedoch mit der menschlichen Kost nicht viel anfangen und reagiert dementsprechend, was natürlich die Aufmerksamkeit der zufällig auch gerade dort speisenden Polizisten erregt. Es folgt eine wilde Flucht vor Polizisten und einem neu erweckten Vampirältesten, wobei Michael einmal mehr von Selene gerettet werden muss.

Transformationen
In anderer Hinsicht ist der Film jedoch konservativer. Während sich die männlichen Protagonisten bei Kämpfen und in anderen Extremsituationen in behaarte, zähnefletschende Monster/Tiere verwandeln, macht die kleine Kate ihre Gegner im Lackkostüm und ohne allzu grosse Anstrengung platt. Nie wird ihre kühle Schönheit durch die Verwandlung in eine kaum widererkennbare Kreatur verunstaltet. Obwohl die Frau in diesem Action-Film die aktive Rolle hat, scheint die Verunstaltung des schönen weiblichen Körpers einen Tabubruch darzustellen, der nicht imaginiert werden kann. Immer noch wird der Blick des Zuschauers als männlich konstruiert; denn der weibliche Blick wird irritiert durch den Anblick von Michael in seiner Form als hybrides Monster.

Die Ungarn-Connection
Als die Polizisten Michael im Wald verfolgen, reden sie untereinander ungarisch und auch ihre Wagen sind mit “Rendörség” (ungar. Polizei) beschriftet. Ausserdem leitet sich der Name “Corvinus” vom ungarischen Renaissance-König Mátyás Hunyadi, der sich mit Bezug aufs Familienwappen (welches einen Raben mit einem Ring im Schnabel zeigt) auch Matthias Corvinus nannte. Als ihn Vlad Tepes (das historische Vorbild für Dracula) um 1492 um Hilfe gegen die Türken bat, liess ihn König Matthias einkerkern; Corvinus Verwandte Ilona Szilágyi verliebte sich in Vlad Tepes und er wurde teilweise begnadigt.
Historisch ist es jedoch so, dass die Vampirlegenden ausschliesslich in der slavischen Überlieferung verortet sind, und der ungarischen Folklore vollkommen fremd sind. Dass Ungarn und Vampire doch in Verbindung gebracht werden, daran ist wohl Bram Stoker schuld: als er Dracula in Transylvanien (zur damaligen Zeit zu Ungarn gehörend) ansiedelte und auch sonst zahlreiche Verweise zu ungarischen Kultur einflocht, führte das dazu, dass Vampire im kulturellen Gedächtnis für alle Zeiten mit Ungarn verknüpft sind.

Coole Horror-Action für Vampirfans mit einer romantischen Ader.

Originaltitel: Underworld Evolution (USA 2006)
Regie: Len Wiseman
Darsteller: Kate Beckinsale, Scott Speedman, Derek Jacobi, Michael Sheen, Tony Curran, Shane Brolly
Dauer: 108 min.
CH-Verleih: Buena Vista International

Underworld

Vampire vs. Werwölfe

In einer düsteren Welt, wo sich Vampire und Werwölfe seit jahrtausenden bekriegen, verliebt sich eine kompromisslose Vampirkriegerin in einen gewöhnlichen Sterblichen, der allerdings ein explosives Geheimnis in sich trägt.

Unnatürlicherweise fand die Pressevisionierung für diesen vornehmlich nachts spielenden Film um 10 Uhr in der Früh statt. Die Verfasserin dieses Artikels betrat das Kino Punkt 10 Uhr (eine Kirchenglocke schlug gerade die volle Stunde), zu welchem Zeitpunkt der Film schon begonnen hatte. Als die Verfasserin den Kinosaal betrat, war auf der Leinwand gerade der Vorspann zu sehen und sie bemerkte vage, dass die Reihen ziemlich gut besetzt schienen. Um niemanden zu stören, beschloss sie zu warten bis der Film anfing, um sich einen Platz zu suchen, da dann meist wesentlich heller wird im Kino. Sie sollte jedoch enttäuscht werden; der Film wurde mit einer düsteren Nachtszene eröffnet, in welcher die Heldin in einem Voice-Over die Prämisse für den Film darlegt.
Nach einigen Minuten dämmerte es der Verfasserin, dass wohl der ganze Film in dieser düsteren kalt blau-grauen Atmosphäre spielen würde, doch hatten sich ihre Augen in der Zwischenzeit an die Dunkelheit gewöhnt und sie liess sich vorsichtig in einen freien Sessel am Rande nieder. Die Heldin des Films, Selene, eine Death-Dealerin (Kate Beckinsale) kauert auf der Balustrade einer gotisch anmutenden Architektur und sinniert über ihr Dasein als Vampir und die schon Jahrtausende andauernde Fehde zwischen Vampiren und Lycans nach (dem Volksmund besser bekannt unter dem Begriff “Werwolf”), während sie durch ein High-Tech Fernglas eine Horde von Werwölfen beobachtet. Auf der folgenden Verfolgungs- und Vernichtungsjagd durch U-Bahn Tunnels und andere unterirdische Schächte beschleicht unsere Heldin das Gefühl, dass die Werwölfe nicht zufällig dort sind, sondern dass sie offenbar hinter einem bestimmten Menschen her sind. Als sie ihren Verdacht, dass die Lycans wohl einen grösseren Coup planen, dem unbedarften Vampirführer Kraven (Shane Brolly) mitteilt, tut dieser ihre Bedenken ab. Unsere Heldin lässt sich jedoch nicht beirren und macht sich in der Folge auf eigene Faust auf die Suche nach dem schwer zu fassenden Menschen.
“Underworld” ist das Resultat einer Co-Produktion verschiedener Länder (GB, D, HUN, USA) und hat je nach Quelle läppische 23-30 Mio. US-Dollar gekostet. Der Film orientiert sich an Genreklassikern wie American Werwolf, Blade und Matrix, wie der eingefleischte Filmfan unschwer erkennen wird. Geschickt wird aus diesen unterschiedlichen Filmzitaten eine stilistisch beeindruckende, unterkühlte Fantasy-Welt erschaffen, in der sich Vampire und Werwölfe mehr oder weniger unbemerkt im Schutz der Dunkelheit tummeln. Der Zuschauer wird unweigerlich in eine seltsame Zwischenwelt entführt, die sich seit Stokers Dracula unauslöschlich in die Imagination und das Gedächtnis unserer Kultur festgesetzt hat.
Die unterschwellige Irritation des Filmes entsteht auch durch die Vertauschung der Geschlechterrollen, vor allem in der angedeuteten Liebesgeschichte zwischen Selene und Mark Corvin (Scott Speedman). Zwar gibt es schon bei Stoker weibliche Vampire, die über übernatürliche Kräfte verfügen, doch sind diese einerseits selbst Opfer von Dracula und anderseits werden ihnen jegliche weibliche Eigenschaften abgesprochen; sie sind Monster. Selene ist kein Monster, doch ist sie auch nicht menschlich, sie verfügt über aussergewöhnliche Kräfte, die sie jedem Menschen überlegen machen; so ist sie es, die den verwundbaren Mark sowohl vor den Werwölfen wie auch den Vampiren beschützen muss. Ausserdem sind alle männlichen Figuren im Film fehlbar, was sie als Identifikationsfiguren ungeeignet erscheinen lässt. Der Blick des Zuschauers / der Zuschauerin, in unserer Kultur unweigerlich männlich geprägt, wird auf eine weibliche Identifikationsfigur zurückgeworfen, was bis anhin in amerikanischen Actionfilmen leider immer noch eher eine Ausnahme denn die Regel darstellt.
Der Film verwischt ausserdem geschickt die Grenzen zwischen Gut und Böse. Von den Vampiren, am Anfang des Films noch als die Guten eingeführt, bröckelt bald die Fassade der Rechtschaffenheit, während die Werwölfe, zu Beginn als ungehobelte, unbeherrschte Kreaturen verschrien, sich im Zuge des Films bald als Opfer einer rücksichtslosen Machtpolitik der Vampire entpuppen.
Dieser unterhaltsame Film ist in den USA unversehens zum Erfolg geraten und ist sicher ein unbedingtes Muss für alle Fans von Vampirfilmen à la Blade. Kate Beckinsale überzeugt trotz fehlender Grösse dank ihrer Präsenz als zähe Vampirkriegerin im sexy Lackkostüm und auch Scott Speedman verkörpert den verwundbaren, wenn auch nicht hilflosen Menschen glaubwürdig. Einige der andern männlichen Darsteller lassen jedoch zu wünschen übrig. Der Film ist sehenswert, einzig das penetrant offene Ende, dass geradezu nach einer Fortsetzung schreit, vermag den positiven Eindruck ein bisschen zu schmälern.

“Underworld” (Action, Fantasy, Horror, Thriller) von Len Wiseman (GB, D, HUN, USA, 2003)
mit: Kate Beckinsale, Scott Speedman, Michael Sheen, Shane Brolly, Bill Nighy, Sophia Myles
Dauer: 121min
Schweizer Verleih: Elite

Blade: Trinity

Urbane HipHop Vampirlegende für MTV-süchtige Teenies

“Aller guten Dinge sind drei”, dies gilt leider nicht für den letzten Teil der Blade Trilogie. Wiesen die Teile 1 und 2 jeweils die unverkennbare Handschrift ihres Regisseurs auf (Stephen Norrington und Guillermo del Toro), so lässt dieses als Horror/Action Movie verkleidete Mainstream Video jegliche Handschrift missen.

Die Story, sofern sie denn als solche bezeichnet werden kann, ist schnell erzählt. Die Vampire, die sich mittels ihrer Geschäftstüchtigkeit in der Gesellschaft etabliert haben, wollen die Weltherrschaft endgültig an sich reissen. Zu diesem Zwecke graben sie den ersten aller Vampire, Dracula (Dominic Purcell), der aus unerfindlichen Gründen in einem Tempel im Irak ruht, wieder aus. Ausserdem wollen sie endlich ihren ärgsten Feind, Vampirjäger Blade (Wesley Snipes), loswerden. Auf einer seiner Säuberungsaktionen im nächtlichen Grossstadtdschungel bringen sie Blade durch eine List dazu, einen Menschen zu töten, worauf sich das FBI an seine Fersen heftet, da sie ihn für einen unberechenbaren Psychopathen halten. Blade und Whistler (Kris Kristofferson) werden ausgeräuchert, wobei Whistler umkommt und Blade zunächst in Polizeigewahrsam und dann in die Fänge der Vampire gerät. Aus dieser Misere wird er von einer Truppe spät pubertierender Möchtegern Vampirjägern befreit, darunter der unehelichen Tochter von Whistler, Abigail (Jessica Biel) und Sprücheklopfer Hannibal King (Ryan Reynolds).
Ein Grossteil des Films besteht aus einer Serie spektakulärer aber total unmotivierter Verfolgungsjagden. Blade verfolgt Obervampir Drake Treppen rauf und runter und über Häuserdächer, nur um sich danach verbal mit ihm auszutauschen. Auch die Effekte sind alle irgendwie schon mal da gewesen: Drake kann die Gestalt jedes beliebigen Menschen annehmen (der T-1000 konnte das auch schon und besser) und verwandelt sich bei Bedarf in ein abscheuliches Monster mit einem Extra-Set Zähne (Alien lässt grüssen). Die Vampir-Hunde sind zwar niedlich, aber nicht unbedingt bedrohlich. Auch die Blutfarm der Vampire, mit den eingeschweissten und komatosen Menschen erinnert gleich an zwei Filme, nämlich an “Alien: Resurrection”, wo Ripley 8 das Labor mit den früheren Versionen ihrer Selbst entdeckt und an die Matrix, wo Menschen als Batterien für die Maschinen dienen.
Ein bisschen ein beklemmendes Gefühl hat bei mir die Art der Vernichtung der Vampire verursacht; die werden nämlich nicht mehr klassisch mit einem spitzen Gegenstand ins Herz getötet, sondern durch ein gentechnisch hergestelltes Virus, das spezifisch Vampire (also eine bestimmte Gruppe von Wesen) targetiert. Auch wenn es sich um einen Horrorfilm handelt, finde ich den unkritischen Umgang mit solchen Ideen trotzdem bedenklich.
Der Soundtrack für den Film stammt von The RZA, dem Kopf des Wu-Tang Clans, der auch schon für die Filmmusik von “Ghost Dog” (Jim Jarmusch) und Kill Bill (Quentin Tarantino) verantwortlich zeichnete. Der Sound ist wirklich stark, was allerdings dazu führt, dass er den Film nicht untermalt, sondern trägt. Wer sich also ein rasantes, actionreiches Musikvideo ansehen will, ist mit “Blade: Trinity” richtig bedient.

Originaltitel: Blade: Trinity (USA 2004)
Regie: David S. Goyer
Darsteller: Wesley Snipes, Kris Kristofferson, Jessica Biel, Ryan Reynolds, Parker Posey, Triple H
Dauer: 95 min.
CH-Verleih: Fox Warner

The Vampire: A Casebook

Vampire üben heute mehr den je eine ungebrochene Faszination auf die Menschen aus. Im Mittelpunkt der populären Imagination steht dabei die Gestalt des Dracula, 1897 (nach dem historischen Vorbild von Vlad Tepes) vom irischen Schriftsteller Bram Stoker ins Leben gerufen. Die meisten populärwissenschaftlichen wie auch wissenschaftlichen Beiträge befassen sich dabei mit dem literarischen Vampir in der Folge von Stoker’s Dracula und mit der nie abreissenden filmischen Verarbeitung dieses Stoffes; von Bela Lugosi als erstem Leinwand-Dracula bis hin zu Quentin Tarantinos kitschig-postmoderner Vision From Dusk till Dawn. Seltener sind Bücher, die sich mit einer Beschreibung des volkstümlichen Vampirglaubens befassen wie er vor allem bei den slavischen Ethnien und natürlich in Rumänien vertreten ist. Der vorliegende Sammelband erhebt den Anspruch, die wichtigsten Beiträge zum osteuropäsichen Vampirglauben auf den Gebieten der Volkskunde, Anthropologie und der vergleichenden Literaturwissenschaft in sich zu vereinen. Zu beachten ist, dass obwohl das Buch 1998 erschienen ist, die meisten darin enthaltenen Beiträge aus den 80ern stammen. Der erste Aufsatz befasst sich bezeichnenderweise mit der Etymologie der Bezeichnung “Vampir”. Obwohl die Herkunft des Wortes umstritten ist, wird heute allgemein ein slavischer Urspung akzeptiert. Der zweite Beitrag stammt von Agnes Murgoci und wurde erstmals im Jahre 1926 in der Zeitschrift Folklore veröffentlicht. Trotz seines Alters ist dies ein bedeutender Text über den Vampirglauben in Rumänien, nicht zuletzt wegen der intimen Kenntisse der Autorin der rumänischen Quellen und wegen der Übersetzung rumänischer Legenden (ins Englische), die dadurch allgemein zugänglich wurden. Die Autorin vermittelt ein Bild des Vampirglaubens anhand von Begräbnisriten und Legenden. Auch der nächste Aufsatz beschäftigt sich mit dem Vampirglauben in Rumänien. Dabei vergleicht Perkowsi zwischen 1931-1937 in ganz Rumänien gesammelte Zeugnisse auf Ähnlichkeiten und Unterschiede. Als eine Konstante stellt sich die Meinung heraus, dass die Toten zurückkehren und zuerst über ihre Verwandten und Tiere herfallen; meist fällt dies mit unerklärlichen Krankheiten zusammen. Unterschiede gab es dagegen in den Kuren und Abwehrzeremonien, die für jedes Dorf spezifisch waren. Oinas schliesslich öffnet den Blick auf den Vampirglauben in andern Kulturen, so ist der Vampirismus auch in Estland und Finnland bekannt, nur dem ungarischen Volksglauben sind Vampire relativ fremd. Fine beschreibt die vergeblichen Versuche der serbischen Autoritäten, das wiederholte Ausgraben von Leichen zu verhindern. Der Beitrag von Krauss stammt von 1892 und beschreibt südslavische Abwehrmassnahmen gegenüber von Vampiren und wie man verhindert, dass aus Leichen Vampire werden. Zum selben Thema schreibt auch Caikanovic; dieser Text von 1923 wurde aus dem Serbischen übersetzt. Während die bisher erwähnten Beiträge alle einen historisch-volkskundlichen Ansatz hatten, behandeln die letzten vier Aufsätze das Thema aus einer ganz andern Perspektive. Du Boulay arbeitet mit einem strukturanthropologischen Ansatz und sieht zwischen Vampirglauben und Inzest-Taboo eine symbolische Korrespondenz des Blutes. Barber liefert gerichtsmedizinische Fakten zum Verwesungsprozess von Leichen und kann somit die meisten mit Vampirismus in Verbindung gebrachten Phänomene erklären. Jaffé und DiCataldo berschreiben den sognannten klinischen Vampirismus, einen seltenen psychopathologischen Zustand, bei dem der Patient nebst andern Symptomen fremdes oder auch sein eigenes Blut trinkt (Autovampirismus). Der Band schliesst mit einer psychoanalytischen Interpretation des Vampirmythos. Dabei sieht Dundes den Vampirglauben als eine Projektion der Wut / Schuldgefühle der Überlebenden auf die Toten, die zurückkehren und sich rächen. Ausserdem geht es um die Umkehrung des Geburtsaktes und der symbolischen Gleichsetzung von Mutterschoss und Grab. Das Blutsaugen wird als Aggression gegen die Brust gedeutet, verursacht durch die (empfundene) Vernachlässigung durch die Mutter. Damit korrespondiert auch die Meinung, dass sich der Begriff Vampir vom griech. Wort pi, welches die Wurzel von trinken ist, ableiten lässt. Obwohl der Band teilweise schon ältere Aufsätze enthält, bietet er einen vielfältigen Einblick in den volkstümlichen Vampirglauben Osteuropas. Er vereint sowohl die ältesten wissenschaftlichen Beiträge, welche selbst schon fast als Quellen gelesen werden können, wie auch neuere Beiträge führender “Vampir”-Forscher. Der zweite Teil enthält Beiträge, die den Vampirglauben von benachbarten Disziplinen aus beleuchten und neue Erklärungsansätze aus naturwissenschaftlicher (Barber) und psychoanalytischer Sicht zu diesem Phänomen liefern. Nicht so recht zum Thema zu passen scheint der Beitrag von Jaffé und DiCataldo, die den klinischen Vampirismus (ein psychiatrisches Phänomen) beschreiben, was wenig zum Verständnis des Vampirglaubens in Osteuropa beiträgt. Trotzdem ein spannender Überblick für alle, die sich für den Ursprung des Vampirismus im osteuropäischen Volksglauben interessieren.

The vampire : a casebook / ed. by Alan Dundes. – Madison, Wis. : The University of Wisconsin Press, 1998

Blade II

Die gelungene Fortsetzung des Überraschungserfolgs Blade, basierend auf dem berühmten Marvel-Comic, mit Action-Star Wesley Snipes vom Horror-Spezialisten (“Mimic”) Guillermo del Toro düster und kompromisslos inszeniert. Blade (Wesley Snipes) ist halb Mensch und halb Vampir, da seine Mutter während der Schwangerschaft von einem Vampir gebissen worden war, und ein Einzelkämpfer, der in keiner der beiden Welten richtig zuhause ist. Sein Lebensinhalt ist die Jagd auf und die Vernichtung aller Vampire, die ihn als Daywalker fürchten, weil eine genetische Besonderheit es ihm ermöglicht, auch bei Tageslicht unterwegs zu sein.

Es sind zwei Jahre vergangen seit dem vermeintlichen Tod seines Mentors und Waffenmeisters Whistler (Kris Kristofferson). Blade jagt jetzt in Prag, wo er Gerüchte vernimmt, dass Whistler noch am Leben sein soll. Es gelingt ihm auch, seinen alten Freund zu befreien, doch dieser hat Mühe, sich mit Blades neuem Partner Scud (Norman Reedus) zu arrangieren.

Dann geschieht etwas Unerwartetes: Damaskinos (Thomas Kretschmann), der Herrscher aller Vampire, bittet Blade um Hilfe, um eine Kreatur zu jagen, vor der sich sogar die Vampire fürchten. Der Reaper ist eine genetische Mutation, die sich nicht mehr von Menschenblut ernährt, sondern andere Vampire aussagt und diese in Wesen verwandeltn, die sich ihrerseits von Vampir-Blut ernähren. Blade soll nun mit Hilfe von Damaskinos Tochter Nyssa (Leonor Varela) und des Bloodpack, einer Vampir-Eliteeinheit, die eigentlicht ausgebildet wurde, um ihn zu jagen, die Reaper und vor allem den “Patient Zero”, Jared Nomak, welcher der erste Träger des Reaper-Virus ist, aufspüren und vernichten. Blade erklärt sich einverstanden, obwohl er nicht darauf vertraut, dass das Bloodpack und vor allem deren Anführer Reinhardt (Ron Perlman) es nicht doch auf ihn abgesehen haben. Obwohl es dem Team unter Blades Führung gelingt, das Hauptversteck der Reaper ausfindig zumachen, erweist sich, dass Blades Misstrauen berechtigt war….

Blade II ist etwas, dass selten gelingt: nämlich ein Sequel, welches seinen Vorgänger sogar noch übertrifft. Die Action-Sequenzen sind schnell, spektakulär und wunderbar choreographiert. Dabei vermag es del Toro aber eine perfekte Balance zu finden zwischen schneller Action und stillen, spannungsgeladenen Szenen, die jeweils wie die Ruhe vor dem Sturm wirken. Durch diesen gekonnt eingesetzten Wechsel unterschiedlicher Tempi erhält der Film einen Rhythmus, der auch den Plot vorantreibt, sodass er von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln vermag. Die Stimmung ist düsterer und melancholischer als beim Vorgänger und erinnert ein bisschen an die Alien Filme, vor allem an die Teile 2 und 4, wo die Monster die Jäger auch nach und nach dezimierten.

Die Charaktere sind ungewöhnlich tiefgründig gezeichnet; so ist zum Beispiel bei Blade nicht mehr eine so klare Ablehnung seiner Vampir-Natur erkennbar ist, es scheint fast so, als ob sich zeitweise ganz der dunklen Seite seines Wesens verschreibt. Auch Ron Perlman, der bereits in Alien 4: The Resurrection zu bewundern war, liefert als Reinhardt wieder eine überzeugende Performance ab. Luke Goss als Jared Nomak schafft den Spagat zwischen grausamem, beängstigendem Monster und einem intelligentem Wesen, welches aus Gefühlen der Verletzung und der Rache handelt.

Überhaupt lösen sich in Blade II die sonst in solchen Filmen üblichen Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht auf. Blade entwickelt Gefühle für Nyssa, die Tochter des Vampir-Herrschers und Nyssa beginnt die Vorgehensweise ihres Vaters zu hinterfragen. Die Monster scheinen mitunter menschlicher als die Menschen und nur wenige Charaktere im Film sind tatsächlich das, was sie zu sein vorgeben.

Blade II ist eine überzeugende postmoderne Umsetzung, die gekonnt mit filmischen Vorbildern spielt aber trotzdem eine starke eigene Handschrift hat. Del Toro ist ein brillanter Action-Horror Streifen gelungen, in welchem einige der Szenen selbst eingefleischten Horrorfans einen Schauer über den Rücken treiben dürfte; der Film ist aber, obwohl unbedingt empfehlenswert, nichts für Zartbesaitete.