Blade: Trinity

Urbane HipHop Vampirlegende für MTV-süchtige Teenies

“Aller guten Dinge sind drei”, dies gilt leider nicht für den letzten Teil der Blade Trilogie. Wiesen die Teile 1 und 2 jeweils die unverkennbare Handschrift ihres Regisseurs auf (Stephen Norrington und Guillermo del Toro), so lässt dieses als Horror/Action Movie verkleidete Mainstream Video jegliche Handschrift missen.

Die Story, sofern sie denn als solche bezeichnet werden kann, ist schnell erzählt. Die Vampire, die sich mittels ihrer Geschäftstüchtigkeit in der Gesellschaft etabliert haben, wollen die Weltherrschaft endgültig an sich reissen. Zu diesem Zwecke graben sie den ersten aller Vampire, Dracula (Dominic Purcell), der aus unerfindlichen Gründen in einem Tempel im Irak ruht, wieder aus. Ausserdem wollen sie endlich ihren ärgsten Feind, Vampirjäger Blade (Wesley Snipes), loswerden. Auf einer seiner Säuberungsaktionen im nächtlichen Grossstadtdschungel bringen sie Blade durch eine List dazu, einen Menschen zu töten, worauf sich das FBI an seine Fersen heftet, da sie ihn für einen unberechenbaren Psychopathen halten. Blade und Whistler (Kris Kristofferson) werden ausgeräuchert, wobei Whistler umkommt und Blade zunächst in Polizeigewahrsam und dann in die Fänge der Vampire gerät. Aus dieser Misere wird er von einer Truppe spät pubertierender Möchtegern Vampirjägern befreit, darunter der unehelichen Tochter von Whistler, Abigail (Jessica Biel) und Sprücheklopfer Hannibal King (Ryan Reynolds).
Ein Grossteil des Films besteht aus einer Serie spektakulärer aber total unmotivierter Verfolgungsjagden. Blade verfolgt Obervampir Drake Treppen rauf und runter und über Häuserdächer, nur um sich danach verbal mit ihm auszutauschen. Auch die Effekte sind alle irgendwie schon mal da gewesen: Drake kann die Gestalt jedes beliebigen Menschen annehmen (der T-1000 konnte das auch schon und besser) und verwandelt sich bei Bedarf in ein abscheuliches Monster mit einem Extra-Set Zähne (Alien lässt grüssen). Die Vampir-Hunde sind zwar niedlich, aber nicht unbedingt bedrohlich. Auch die Blutfarm der Vampire, mit den eingeschweissten und komatosen Menschen erinnert gleich an zwei Filme, nämlich an “Alien: Resurrection”, wo Ripley 8 das Labor mit den früheren Versionen ihrer Selbst entdeckt und an die Matrix, wo Menschen als Batterien für die Maschinen dienen.
Ein bisschen ein beklemmendes Gefühl hat bei mir die Art der Vernichtung der Vampire verursacht; die werden nämlich nicht mehr klassisch mit einem spitzen Gegenstand ins Herz getötet, sondern durch ein gentechnisch hergestelltes Virus, das spezifisch Vampire (also eine bestimmte Gruppe von Wesen) targetiert. Auch wenn es sich um einen Horrorfilm handelt, finde ich den unkritischen Umgang mit solchen Ideen trotzdem bedenklich.
Der Soundtrack für den Film stammt von The RZA, dem Kopf des Wu-Tang Clans, der auch schon für die Filmmusik von “Ghost Dog” (Jim Jarmusch) und Kill Bill (Quentin Tarantino) verantwortlich zeichnete. Der Sound ist wirklich stark, was allerdings dazu führt, dass er den Film nicht untermalt, sondern trägt. Wer sich also ein rasantes, actionreiches Musikvideo ansehen will, ist mit “Blade: Trinity” richtig bedient.

Originaltitel: Blade: Trinity (USA 2004)
Regie: David S. Goyer
Darsteller: Wesley Snipes, Kris Kristofferson, Jessica Biel, Ryan Reynolds, Parker Posey, Triple H
Dauer: 95 min.
CH-Verleih: Fox Warner

Blade II

Die gelungene Fortsetzung des Überraschungserfolgs Blade, basierend auf dem berühmten Marvel-Comic, mit Action-Star Wesley Snipes vom Horror-Spezialisten (“Mimic”) Guillermo del Toro düster und kompromisslos inszeniert. Blade (Wesley Snipes) ist halb Mensch und halb Vampir, da seine Mutter während der Schwangerschaft von einem Vampir gebissen worden war, und ein Einzelkämpfer, der in keiner der beiden Welten richtig zuhause ist. Sein Lebensinhalt ist die Jagd auf und die Vernichtung aller Vampire, die ihn als Daywalker fürchten, weil eine genetische Besonderheit es ihm ermöglicht, auch bei Tageslicht unterwegs zu sein.

Es sind zwei Jahre vergangen seit dem vermeintlichen Tod seines Mentors und Waffenmeisters Whistler (Kris Kristofferson). Blade jagt jetzt in Prag, wo er Gerüchte vernimmt, dass Whistler noch am Leben sein soll. Es gelingt ihm auch, seinen alten Freund zu befreien, doch dieser hat Mühe, sich mit Blades neuem Partner Scud (Norman Reedus) zu arrangieren.

Dann geschieht etwas Unerwartetes: Damaskinos (Thomas Kretschmann), der Herrscher aller Vampire, bittet Blade um Hilfe, um eine Kreatur zu jagen, vor der sich sogar die Vampire fürchten. Der Reaper ist eine genetische Mutation, die sich nicht mehr von Menschenblut ernährt, sondern andere Vampire aussagt und diese in Wesen verwandeltn, die sich ihrerseits von Vampir-Blut ernähren. Blade soll nun mit Hilfe von Damaskinos Tochter Nyssa (Leonor Varela) und des Bloodpack, einer Vampir-Eliteeinheit, die eigentlicht ausgebildet wurde, um ihn zu jagen, die Reaper und vor allem den “Patient Zero”, Jared Nomak, welcher der erste Träger des Reaper-Virus ist, aufspüren und vernichten. Blade erklärt sich einverstanden, obwohl er nicht darauf vertraut, dass das Bloodpack und vor allem deren Anführer Reinhardt (Ron Perlman) es nicht doch auf ihn abgesehen haben. Obwohl es dem Team unter Blades Führung gelingt, das Hauptversteck der Reaper ausfindig zumachen, erweist sich, dass Blades Misstrauen berechtigt war….

Blade II ist etwas, dass selten gelingt: nämlich ein Sequel, welches seinen Vorgänger sogar noch übertrifft. Die Action-Sequenzen sind schnell, spektakulär und wunderbar choreographiert. Dabei vermag es del Toro aber eine perfekte Balance zu finden zwischen schneller Action und stillen, spannungsgeladenen Szenen, die jeweils wie die Ruhe vor dem Sturm wirken. Durch diesen gekonnt eingesetzten Wechsel unterschiedlicher Tempi erhält der Film einen Rhythmus, der auch den Plot vorantreibt, sodass er von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln vermag. Die Stimmung ist düsterer und melancholischer als beim Vorgänger und erinnert ein bisschen an die Alien Filme, vor allem an die Teile 2 und 4, wo die Monster die Jäger auch nach und nach dezimierten.

Die Charaktere sind ungewöhnlich tiefgründig gezeichnet; so ist zum Beispiel bei Blade nicht mehr eine so klare Ablehnung seiner Vampir-Natur erkennbar ist, es scheint fast so, als ob sich zeitweise ganz der dunklen Seite seines Wesens verschreibt. Auch Ron Perlman, der bereits in Alien 4: The Resurrection zu bewundern war, liefert als Reinhardt wieder eine überzeugende Performance ab. Luke Goss als Jared Nomak schafft den Spagat zwischen grausamem, beängstigendem Monster und einem intelligentem Wesen, welches aus Gefühlen der Verletzung und der Rache handelt.

Überhaupt lösen sich in Blade II die sonst in solchen Filmen üblichen Grenzen zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht auf. Blade entwickelt Gefühle für Nyssa, die Tochter des Vampir-Herrschers und Nyssa beginnt die Vorgehensweise ihres Vaters zu hinterfragen. Die Monster scheinen mitunter menschlicher als die Menschen und nur wenige Charaktere im Film sind tatsächlich das, was sie zu sein vorgeben.

Blade II ist eine überzeugende postmoderne Umsetzung, die gekonnt mit filmischen Vorbildern spielt aber trotzdem eine starke eigene Handschrift hat. Del Toro ist ein brillanter Action-Horror Streifen gelungen, in welchem einige der Szenen selbst eingefleischten Horrorfans einen Schauer über den Rücken treiben dürfte; der Film ist aber, obwohl unbedingt empfehlenswert, nichts für Zartbesaitete.