Minority Report
Ein düsterer Thriller über totale Überwachung, die Zukunft unserer Konsumgesellschaft und die Fehlbarkeit von scheinbar perfekten Systemen.
Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte des Science Fiction Autors Philip K. Dick, der auch schon die Vorlage für Blade Runner lieferte. Wir befinden uns in Washington, D.C., im Jahre 2054, wo schon seit Jahren kein Mord mehr stattgefunden hat; dies ist einer experimentellen Verbrechensbekämpfungseinheit namens Pre-Crime zu verdanken, die Verbrechen verhindert bevor sie geschehen können. Das Herz der Einheit bilden die Pre-Cogs, drei Individuen mit präkognitiven Fähigkeiten die in einer Art künstlicher Dämmerzustand gehalten werden und die jeweils vor einem Mord Visionen haben. Ihre Visionen werden in Bilder umgesetzt und ausgewertet; daraufhin greift eine Spezialtruppe ein um den zukünftigen Mörder dingfest zu machen und so die potentielle Straftat zu verhindern. Auf der Oberfläche scheint das System unfehlbar und effektiv und nach 6-jähriger Testphase soll es nun national eingesetzt werden. Doch da geschieht etwas Unerwartetes; die Pre-Cogs identifizieren John Anderton (Tom Cruise), den Leiter der Pre-Crime Abteilung als den Täter in einer ihrer Mordvisionen. Anderton gelingt die Flucht und er macht sich daran herauszufinden, warum er in genau 36 Stunden einen Mann töten wird, den er noch nie gesehen hat. Bei seinen Nachforschungen stösst Anderton auf den sogenannten Minority Report, ein Phänomen das darauf hinweist, dass einer der Pre-Cogs eine von den andern zwei abweichende Vision hatte, wobei aber das System angewiesen wird, diesen Minority Report zu ignorieren und zu löschen. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, trotzdem an den Minority Report heranzukommen…
Der Film wartet mit spannenden Verfolgungsjagden, atemberaubenden Special Effects und unerwartenden Wendungen auf. Die Bilder sind in kühlen Blautönen gehalten und die Ausstattung vermittelt ein Gefühl der Kälte und Isoliertheit. Steven Spielberg ist trotz einiger kleiner Ungereimtheiten (wie sonst wäre es erklärbar dass ein stark kurzsichtiger Mann seine Brille zuhause vergessen kann) ein tiefgründiger und zum Nachdenken anregender Film gelungen, der zwar als Sci-Fi Thriller daherkommt, im Grunde aber grundlegende Fragen unserer Zeit zu beantworten versucht. So beschäftigt sich der Film etwa damit, wie unsere Konsumgesellschaft in 50 Jahren aussehen wird, und Spielberg entwickelt ein ziemlich erschreckendes Szenario, wo Werbung noch viel interaktiver ist als heute und darüber hinaus persönlich auf den Empfänger zugeschnitten ist. Ausserdem thematisiert er die totale Überwachung durch den Staat mittels eines Netzhaut-Scans, dem das Individuum beim passieren des öffentlichen Raumes immer wieder unterworfen ist, und wie diese Überwachung es ermöglicht, jemanden praktisch immer und überall ausfindig zu machen. Der Film argumentiert zudem, dass kein System unfehlbar ist und dass auch das beste System manipuliert werden kann. Eine weitere Frage, die aufgeworfen (und auch beantwortet) wird, ist die, was einen gewöhnlichen Menschen dazu bringen kann, jemanden umzubringen, den er 24 Stunden davor noch nie gesehen hatte.
Wenn man am Film etwas kritisieren wollte, dann ist es die Tendenz zur Schwarz-Weiss Malerei, der sich Spielberg leider nicht immer erfolgreich zu entziehen vermag. Auch wenn ein System Fehler aufweist und manipulierbar ist, muss das noch nicht unbedingt heissen, dass man es darum ganz verwirft; anstatt nach dem perfekten System zu suchen, gäbe es vielleicht alternative Möglichkeiten ein nicht ganz perfektes System sinnvoll zu nutzen. Auch die Überwachung durch den Staat wird zuwenig kritisch hinterfragt, obwohl dies vielleicht dazu führen würde, Verbrecher schneller ausfindig machen zu können, schränkt es doch gleichzeitig die persönliche Freiheit es Individuums aufs Massivste ein. Bleibt zu hoffen, dass sich diese Zukunftsvisionen so nicht erfüllen werden.
Originaltitel: Minority Report (USA 2002)
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Tom Cruise, Colin Farrell, Max von Sydow
Dauer: 145 min.