Monsieur Imbrahim und die Blumen des Koran
Von Moses zu Mohammed
Ein stiller, verklärter Film über die Probleme des Erwachsenwerdens, über die erste Liebe, Eltern, Religion, Freundschaft und die Geheimnisse des Lebens.
Moses lebt mit seinem Vater in den 60ern im jüdischen Viertel in Paris in einer düsteren Wohnung. Die Mutter hat die beiden schon lange verlassen. Um genügend Geld zu sparen, um eine Prostituierte für sein erstes Mal zu bezahlen, lässt Moses hin und wieder etwas im Quartierladen von Monsieur Ibrahim mitgehen; er sieht sich darin gerechtfertigt, da es sich laut seinem Vater ja nur um einen Araber handelt. Monsieur Ibrahim weiss von den Diebstählen und beschämt den Jungen, den er Momo nennt, damit, dass er ihm erklärt, dass Besitz nur glücklich mache, wenn man ihn verschenke. Moses ist fasziniert vom alten Ladenbesitzer, auch weil er bei seinem Vater nur auf Ablehnung stösst und geht immer wieder in den Laden, um Monsieur Ibrahim mit Fragen zu löchern. Nach dem Selbstmord seines Vaters kommt Moses Mutter in die Wohnung auf der Suche nach ihm; er gibt sich ihr jedoch nicht zu erkennen, und behauptet, sein Name sei Momo, was für Mohammed stehe und er wisse nicht, wo Moses sei. Es gelingt Monsieur Ibrahim, Moses zu adoptieren, und gemeinsam machen sie sich auf eine Reise in Ibrahims Heimat.
Trotz beeindruckender schauspielerischer Leistungen von Omar Sharif, der für sein Darstellung des Monsieur Ibrahim den Publikumspreis in Venedig erhielt, und Pierre Boulanger, der als Junge an der Schwelle zum Erwachsenwerden überzeugt, hat der Film doch einige Schwächen. All die traurigen Umstände von Moses Leben scheinen wie durch eine rosa Brille betrachtet, was dem Film eine gewisse emotionale Oberflächlichkeit verleiht. Auch ist die Handlung teilweise recht unglaubwürdig und verklärt. Trotzdem ein schöner Film über die aufkeimende Freundschaft zwischen einem Jungen und einem alten Mann, der am Ende seines Lebens angelangt ist. Auch zeichnet der Film ein Bild von einem „sanften“, grosszügigen und toleranten Islam, wie er uns in den westlichen Medien in letzter Zeit leider allzu selten begegnet.
Mit den Extras auf dieser DVD wurde allerdings gespart; da gibt es „nur“ einen englischen Originalkommentar von Omar Sharif über die Entstehung des Films, der wahlweise eingeschaltet werden kann, that’s it.
Originaltitel: Monsieur Ibrahim et les fleurs du coran (F 2003)
Regie: François Dupeyron
Darsteller: Omar Sharif, Gilbert Melki, Pierre Boulanger
Dauer: 91 min.
Vertrieb: Universum Film