The last days in chimalistac

Leonor Antunes: „The last days in chimalistac“

Besucher und Raum
Der erste Eindruck von Antunes Skulpturen, wenn man die Treppe zum Eingangsbereich der Kunsthalle hinauf geht und durch die grosse Tür blickt, mutet einen an wie ein Märchenwald: allerlei Lianen und Gebilde, die bis auf den Boden hängen. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Skulpturen als ineinander verflochtene Zaumzeuge und Fahrleinen aus Leder, Xingus („Traumspiralen“) aus Holz und wie zufällig erscheinend drapierte Netze mit verschiedenen Maschengrössen. Während diese sich wiederholende Anordnung den Raum auszufüllen scheint, wirkt die Installation im zweiten Raum dagegen sehr reduziert. Auf der den Fenstern entgegen gesetzten Längswand ist ein doppeltes Rautenmuster in Gold gespannt, auf dem Boden davor liegt ein bordeaux farbener Lederteppich mit groben Flechtmuster in L-Form. Der dritte Raum schliesslich hat kein Tageslicht und es befinden sich darin im rechten Winkel zueinander aufgestellte Rahmengebilde, die einen wahlweise an einen Webrahmen oder ein Fussball-Tor erinnern, die mit Netzen und Gebilden aus mit Schnüren verknüpften Lederstreifen überspannt sind. Der vierte Raum schliesslich wirkt fasst monumental, durch den Türbogen kommend erblickt man an der linken Seite eine Art Goldnetz-Wandbehang, aus einzelnen Goldstäbchen miteinander verbunden und in zwei Schichten übereinander hängend. Im letzten Raum schliesslich stehen unregelmässig angeordnet, aber im rechten Winkel zueinander platziert Holzparavents, die statt eines Gelenks mit Lederschnüren verknüpft sind, dazwischen liegen auch wieder grob geflochtene Lederteppiche, in naturfarben, dunkelrot und weiss.

Künstler (Kurator) und Raum
Der Kurator der Ausstellung, Adam Szymczyk, erklärt uns, dass die Installationen aus verschiedenen Schaffensperioden der aus Portugal stammenden und in Berlin lebenden und arbeitenden Künstlerin Leonor Antunes stammen und als eigenständige Arbeiten anzusehen sind. Allen Exponaten ist jedoch gemein, dass sich ihre Anordnung immer mehr oder minder am Grundgerüst eines Rasters orientiert, mal als Eichenholzquadrate von der Decke hängend, mal an die Wand projiziert, oder als Auslegeordnung für die Installation im Raum. Auf das Verhältnis der Objekte zum Ausstellungsraum und das Vorgehen der Künstlerin angesprochen, erläutert er, wie die Aufhängevorrichtung aus Eichenholz-Quadraten und Hanfseilen im ersten Raum in Anlehnung an die Architektur der Oberlichter entstanden ist. Die Installation scheint so mit dem Raum eine symbiotische Beziehung einzugehen, die Szymczyk als „localization specific“ verstanden wissen möchte. Im vierten Raum, mit den goldfarbenen „Wandbehängen“ erklärt er, aus welchen Überlegungen heraus die Installation an der neben dem Durchgang gelegenen Längswand und nicht an der gegenüber liegenden Wand angebracht wurde: beim Betreten des Raumes sollte die Plastizität und die Doppelschichtigkeit der Wandinstallation augenfällig werden, während sie an der gegenüberliegenden Wand eindimensional, wie aufgemalt gewirkt hätte.

Chimalistac als Referenzraum
Die Exponate sind von der Künstlerin in Handarbeit hergestellt, wobei sie sich traditioneller Handwerkstechniken bedient. Die Übertragung funktionaler Gegenstände in Objekte der Kunst soll dabei sowohl das von Generationen übertragene spezifische kulturelle Wissen wie auch den drohenden Verlust solcher traditioneller Techniken symbolisieren. Nebst dem handwerklichen Impetus speist sich Antunes Inspiration aus der Formensprache der Moderne, deren zuweilen starre Geometrie sie jedoch aufbricht, indem sie weiche, vergängliche Materialen verwendet und gewollt Unregelmässigkeiten und Asymmetrien einfügt. Der Titel der Ausstellung „Chimalistac“ ist der Name eines Viertels im heutigen Mexico City, welches in den dreissiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein „Hotspot“ sowohl für im Exil lebende europäische wie auch mexikanische Künstler und Designer war. So sollen die Arbeiten der kubanischen Möbeldesignerin Clara Porset (1895–1981) Antunes ebenso beeinflusst haben wie die der italienischen Architektin Lina Bo Bardi (1914–1992).

Der symbolische Raum
Nach dem Verhältnis von Kunst und Sammler befragt, erzählt uns Adam Szymczyk (leicht verstimmt), dass nur ein paar Schritte weiter, im Designer-Kleider-Laden Trois Pommes an der Freien Strasse, es noch weitere Arbeiten von Leonor Antunes gäbe. Diese hätte er gerne als Leihgabe für die Ausstellung gehabt, was ihm aber verweigert wurde mit der Begründung, dass es sich um essentielle Objekte der Laden-Deko handeln würde. Er fügt noch hinzu, dass wir die Objekte von Antunes sofort erkennen würden. Neugierig geworden begebe ich mich zum Laden und stelle mich vor die Schaufenster. Und tatsächlich, ich erblicke zwei hellgelb bemalte Holzparavents, Pendants zu denjenigen in der Kunsthalle. Während ich sie so betrachte, überkommt mich der Gedanke, dass ich ohne den vorherigen Besuch von Antunes Ausstellung in der Kunsthalle die beiden Paravents zwar als schöne Einrichtungsgegenstände oder Designobjekte, niemals jedoch als Kunstobjekte wahrgenommen hätte. Die mal von der Farbe abgesehen beinahe identischen Paravents trennen räumlich gesehen nur ein paar hundert Meter, doch zwischen den symbolischen Räumen, die sie bewohnen, stehen Welten: in der Kunsthalle Objekte zeitgenössischer Kunst, im Trois Pommes blosse Laden-Deko.

Leonor Antunes: the last days in chimalistac, Kunsthalle Basel, 22.9. – 10.11.2013

Die verkannte “Stiefschwester” der Siam

Die Geschichte der Thaikatze ist untrennbar mit derjenigen der Siamkatze verbunden; sie stammt aus dem südostasiatischen Raum, vor allem dem heutigen Thailand (bis 1939 Siam). Eine Katze mit charakteristischen Point-Abzeichen wurde schon vor dem 18. Jahrhundert in illustrierten Manuskripten, den sogenannten “Tamra Maew” (Katzengedichte), beschrieben. In Thailand werden sie Wichianmat genannt, was soviel wie “Monddiamant” bedeutet.

Zum Artikel geht es hier: http://www.tonkinese.ch/Seite_24_Portrait_Thai.pdf
Erschienen in: Schweizer Katzenmagazin 4/2012

Silber oder Nicht? Die grosse Burmakontroverse (Teil 2)

Im zweiten Teil unseres Burma-Porträts geht es um die Entstehung der Mandalay (“Burma” in Vollfarbe), um die neuen (nicht anerkannten) Farben Cinnamon und Fawn, und die Entstehung der Silber- und Tabbyvarietäten. Ausserdem nehmen wir die Argumente der “Silberburma”-Befürworter und -Gegner unter die Lupe. Wir haben versucht, die Informationen, die wir in Büchern, Zeitschriften und auf Websites gefunden haben, möglichst akkurat wieder zu geben, so dass sich interessierte Leser selber ein Bild machen können.

Zum Artikel geht es hier: http://www.tonkinese.ch/Seite_24_Burma_Teil2-2.pdf
Erschienen in: Schweizer Katzenmagazin 2/2012

Silber oder nicht? Die grosse Burmakontroverse (Teil 1)

Seit einigen Jahren schon tobt eine ziemliche Kontroverse zwischen Züchtern der klassischen Burma-Farben und den Silberzüchtern, wobei es um die Frage geht, ob Burmesen in Silber und/oder Tabby überhaupt als Burmesen anerkannt werden sollen.
Im ersten Teil des Artikels geht es um die historische Entwicklung der Burmesen und der anverwandten Rassen Burmilla/Asian und Bombay.

Zum Artikel geht es hier: http://www.tonkinese.ch/Seite_24_Burma_Teil1-2.pdf
Erschienen in: Schweizer Katzenmagazin 1/2012

Avatar – Aufbruch nach Pandora

Trotz einiger Bedenken habe ich mich breit schlagen lassen, das neueste Werk vom “King of the World” (James Cameron) anschauen zu gehen; zum Glück in 3D (für diesen Film ein absolutes Muss), denn die Special Effects und die Fantasy-Welt von Pandora sind atemberaubend.

SYNOPSIS
Der Plot ist so simpel wie altbekannt: die Erdbewohner haben auf dem fernen Planeten Pandora ein extrem wertvolles Mineral (Unobtanium, ein Wortspiel auf unobtainable = unerreichbar) entdeckt, nur haben leider die Ureinwohner ausgerechnet auf dem Hauptvorkommen ihren Lebensmittelpunkt in Form eines gigantischen Baumes. Um ans Erz ranzukommen, muss also das indigene humanoide Volk der Na’vi dazu bewegt werden, umzusiedeln. Um mehr über die Na’vi und ihre Schwächen zu lernen, wurden aus einer Mischung von menschlicher und Na’vi DNA Avatars gezüchtet, die aussehen, wie die einheimische Bevölkerung. Der ehemalige paraplegische Marine Jake Sully (beeindruckent charismatisch Sam Worthington) wird aufgrund der Kompabilität seiner DNA auserkoren einen der Avatare zu “lenken”, da sein Zwillingsbruder, der eigentlich dafür vorgesehen war, bei einem Raubüberfall ums Leben kommt. Die Leiterin des Avatar-Programms, die Biologin Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) ist gar nicht davon angetan, dass ihr ausgerechnet ein dumber Soldat ohne Kenntnisse der Sprache und Gebräuche der Na’vi aufs Auge gedrückt wird. Doch Jake lässt sich davon nicht beirren und ist zu sehr angetan davon, dass er in Form seines Avatars wieder laufen kann. Im Laufe eines Erkundungsausfluges wird er von seinem Team getrennt und gerät in der unwirtlichen Natur in Bedrängnis. Es kommt wie es kommen muss; er wird von der Tochter des Stammesführers, Neytiri (Zoe Saldana) gerettet. Mit seinen kämpferischen Qualitäten gewinnt er den Respekt der Männer und mit seiner naiven Unbekümmertheit das Herz der “Prinzessin”. Während er die Sprache und Gebräuche der Na’vi studiert, wird er von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), dem Sicherheitschef auf Pandora, als Militär-Spion verpflichtet, im Gegenzug will der Colonel dafür sorgen, dass ihm die Operation finzanziert wird, so dass er wieder laufen kann. Nachdem der “Heimatbaum” der Na’vi bei einem brutalen Angriff zerstört wird und Jake zugibt, als Informant für das Militär gearbeitet zu haben, wenden sich die Na’vi von ihm ab. Jake erkennt, dass sein “wirkliches” Leben bei den Na’vi ist; seine Wahrnehmung was Traum und was Wirklichkeit ist, hat sich verschoben. Um die Na’vi zu einen, zähmt er in einem halsbrecherischen Manöver den mythischen Raubvogel “Toruk” und kann so die indigenen Völker hinter sich vereinen. Vor dem grossen Entscheidungskampf fleht Jake Eywa um Hilfe an, aber Neytiri meint, “Mutter Natur” sei unparteiisch. Es kommt zur “Luftschlacht” um Pandora, die von den Na’vi gewonnen wird. In der Endsequenz entscheidet sich Jake dazu, sein Bewusstsein von seinem menschlichen Selbst permanent auf sein Avatar zu übertragen.

DARSTELLER
Sam Worthington: der charismatische Australier überzeugt sowohl als Jake Sully, wie auch als Avatar. Er strahlt eine ungeheure Leinwandpräsenz aus, mit der er schon in Terminator Salvation als Marcus Wright Hauptdarsteller Christian Bale an die Wand gespielt hat
Sigourney Weaver: cool, mit roten Haaren ist Dr. Grace Augustine eine Mischung aus Ellen Ripley (Aliens-Reihe) und Diane Fossey (Gorillas in the Mist)
Stephen Lang: Colonel Miles Quaritch wirkt überzeichnet; er ist noch psychopathischer als Michael Biehn als Lt. Hiram Coffey in Abyss und noch schwerer tot zu kriegen als H. R. Gigers auserirdisches Monster
Zoe Saldana: schwierig zu beurteilen, welcher Anteil der Figur auf ihre Darstellung zurück zu führen ist, da sie im Film nur als Avatar vorkommt
Giovanni Ribisi: trotz relativ kleiner Rolle vermag Ribisi der von Zweifeln geplagten Figur des Parker Selfridge (als Galionsfigur des Schürf-Konsortiums RDA) Menschlichkeit einzuhauchen
Michelle Rodriguez: hätte sie fast nicht wieder erkannt als Militärpilotin Trudy Chacon; blass

INTERTEXTUALITÄT
Jeder Zuschauer nimmt auf Grund seines sozio-kulturellen Hintergrundes Referenzen und Anspielungen auf andere kulturelle Texte (“Texte” umfassen hier im Sinne von Derrida nebst schriftlichen auch bildliche, filmische und andere Werke) unterschiedlich wahr. Wahrscheinlich ist es gar nicht möglich, alle intertextuellen Referenzen zu benennen, zudem diese teilweise auch sehr subjektiv sind. Camerons Avatar ist gespickt mit solchen Verweisen und ich möchte hier nur einige benennen, die mir persönlich aufgefallen sind.
Beim ersten Briefing, nachdem die neuen Soldaten und Wissenschaftler, unter ihnen Jake Sully, auf Pandora eingetroffen sind, begrüsst Sicherheitschef Colonel Quaritch die Neulinge mit den Worten “You are not in Kansas anymore”. Diesen Satz sagt Dorothy nachdem sie nach einem Tornado in einem magischen Land erwacht zu ihrem Hund Toto; nicht von ungefähr gilt The Wizard of Oz als der erste Fantasy-Film überhaupt. James Camerion sagt zwar, dass es sich bei Avatar um ein “Original-Script” handelt, wobei er einen ersten Entwurf schon vor über 15 Jahren geschrieben hatte, aber die Filmtechnik sei bisher noch nicht so weit gewesen, den Film verwirklichen zu können. Obwohl die Geschichte nicht explizit auf einem Roman oder Comic basiert, sind doch viele mythische, literarische und und filmische Einflüsse erkennbar. Die Geschichte vom weissen Abenteurer, der von der einheimischen Prinzessin gerettet wird und von ihr die Sprache und Bräuche lernt, mahnt stark an Pocahontas, die auch als Mittlerin zwischen ihrem Volk (Virginia-Algonkin) und den Kolonisten fungierte. Auch weitere Details, wie die Verbundenheit aller Dinge untereinander, sowie die schamanistische Kultur/Religion der Na’vi sind am Vorbild der Ureinwohner Amerikas angelehnt. Dazu gehört dann auch der Initiationsritus junger Krieger über eine Mutprobe.
Als fleissige Web-Nutzer sind wir fast täglich mit einem Avatar unterwegs, sei es in Foren oder in Virtual Reality Games wie Second Life oder WoW. Laut Wikipedia ist ein Avatar “eine künstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt”. Die Idee von zwei parallelen Welten, einer realen und einer virtuellen wurde ja schon von den Wachowski-Brüdern in der Matrix-Trilogie ausgelotet, wobei auch dort die Grenzen zwischen “real” und “virtuell” verwischt werden.
In der “Zähmung” des Toruk erkenne ich eine Grundstruktur von slavischen (und ungarischen) Märchen, wo der Held den “Feuervogel” bezwingen muss, um die Gunst der Prinzessin zu erlangen, oder im Fall von Jake, “wiederzuerlangen”. Die Reittiere der Na’vi, die “Direhorses” erinnern mich mit ihren zwei Paar Vordergliedmassen an Odins mythologische Streitross “Sleipnir” (welches natürlich charakteristischerweise 8 Beine hat).
Auch die “Kampfroboter” haben wir in ähnlicher Art schon gesehen, und zwar einerseits in der originalen Star Wars Trilogie von George Lucas und andererseits als Laderoboter, mit welchem Ellen Ripley in der Schlussszene von Aliens (ebenfalls von James Cameron) das Monster bezwingt. Überhaupt scheint sich Cameron gern selber zu zitieren, so z.B. in der Szene, wo Grace Alexander nach der Trennung von ihrem Avatar aus der Schlafkapsel aufsteht und sofort nach einer Zigarette verlangt; in Aliens gibt es eine wunderbare Sequenz, in der wir eine Nahaufname von Ripleys Hand sehen, in der sie eine Zigarette hält, kurz nachdem sie aus ihrem Kälteschlaf erwacht ist…

KRITIK
Auf einer intellektuellen Ebene stehe ich diesem Film sehr zwiespältig gegenüber; einerseits finde ich ihn ein tolles Fantasyspektakel mit atemberaubenden Naturaufnahmen und spektakulären Special Effects, wobei die Grenzen zwischen “realen” Aufnahmen und visuellen Effekten so gekonnt verwischt werden, das wir uns in eine andere Welt versetzt fühlen, die uns aber vom ersten Augenblick an gefangen nimmt.
Viele Kritiker haben dem Film Öko-Propaganda der plumpen Art vorgeworfen; es ist bestimmt nicht verkehrt, einen Film dazu zu nutzen, auf die ökologischen Probleme auf unserer Welt aufmerksam zu machen. Doch ist das ein vielschichtiges Problem, welches in Avatar leider viel zu eindimensional daher kommt. So ist wird alles, was irgendwie mit Natur zu tun hat, mit positiven Eigenschaften versehen und alles, was mit Technik oder Maschinen zu tun hat, wird verteufelt. Selbstverständlich besiegen die indogenen Na’vi mit Hilfe ihrer mythischen Flugtiere das modernste, was menschliche Technik zu bieten hat. Ein Wunschtraum, hat uns doch die Geschichte gelehrt, dass in der Vergangenheit der Vorteil meist bei der technisch überlegenen “Nation” lag. Es liegt auch eine gewisse Ironie darin, dass dieser als “Öko-Märchen” verkleidete Film nur mithilfe modernster CGI-Technik realisierbar war und all die wunderschönen Landschaften und Fabelwesen beinahe komplett am Computer generiert wurden.
Nicht nur aufgrund der offensichtlichen Pocahontas-Parallele erscheint das Volk der Na’vi wie eine Schablone für die Urbevölkerung Amerikas; Cameron bedient von vorne bis hinten alle gängigen Stereotypen der Indianer, von gefährlichen Initiationsriten, einer schamanistischen, naturverbundenen Religion bis hin zum edlen Wilden. Aus kultur-kritischer Perspektive kommt so eine reduktive Darstellung sehr neo-imperialistisch daher. Schade, denn ein differenzierter Umgang mit dem schwierigen Thema vom Aufeinander Treffen von indigener Bevölkerung und (amerikanischen) Kolonisten und dem Raubbau an natürlichen Ressourcen hätte dem Film sicher nicht geschadet. Die Kolonisten sind zwar fürs erste zurück gedrängt, aber es ist eigentlich klar, dass sie zurück kommen werden; der Terminator lässt grüssen.

Originaltitel: Avatar (USA 2009)
Buch und Regie: James Cameron
Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana, Stephen Lang, Sigourney Weaver, Giovanni Ribisi, Michelle Rodriguez
Dauer: 162 min.