{"id":89,"date":"2011-09-22T11:44:51","date_gmt":"2011-09-22T11:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=89"},"modified":"2019-01-08T03:44:00","modified_gmt":"2019-01-08T02:44:00","slug":"alexander","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=89","title":{"rendered":"Alexander"},"content":{"rendered":"<p><strong>Opulent inszenierte, pathetisch verkl\u00e4rte Langeweile<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Wiederbelebung des Sandalenfilms durch &#8222;Gladiator&#8220; und dem Erfolg von historisch-mythischen Epen wie &#8222;Troja&#8220; war man in Hollywood wohl der Meinung, dass es jetzt an der Zeit w\u00e4re, Oliver Stone genug Geld (160 Mio.) zu geben, damit er sich seinen lang gehegten Traum, das Leben einer der sagenhaftesten Figuren der Antike, Alexander des Grossen, zu verfilmen, verwirklichen konnte.<\/p>\n<p>Herausgekommen ist ein Film epischer Proportionen, der versucht, das bewegte Leben Alexander des Grossen, von seiner Kindheit und seiner schwierigen Beziehung zu seinen ambiti\u00f6sen Eltern, \u00fcber seine Jugendjahre, w\u00e4hrend welcher sein Vater Philipp ermordet wird und er seine Herrschaftsanspr\u00fcche mittels Gewalt durchsetzen muss, seinen gloriosen Sieg \u00fcber eine persische \u00dcbermacht und seinen jahrelang dauernden Eroberungsfeldzug durch grosse Teile Asiens bis zu seinem fr\u00fchen und mysteri\u00f6sen Tod im Alter von 32 Jahren nach zu zeichnen.<br \/>\nObwohl nat\u00fcrlich Abstriche gemacht werden m\u00fcssen, h\u00e4lt sich der Film im grossen Ganzen an die \u00fcberlieferten Ereignisse. Stone versucht auch, eine kritische Distanz zur Figur Alexanders zu schaffen, indem er die zeitgen\u00f6ssische Rezeption Alexanders gleich in den Film einbezieht. So beginnt denn der Film Jahre nach Alexanders Tod in \u00c4gypten, wo Ptolemaios, ein Jugendfreund Alexanders nach dessen Tod zum Pharao geworden, seine Memoiren niederschreibt. Er rezitiert \u00fcber die Gr\u00f6sse Alexanders, dar\u00fcber, dass &#8222;seine Niederlagen immer noch \u00fcber die Erfolge von andern M\u00e4nnern ragen w\u00fcrden&#8220;. Das Geschehen im Film wird einige Male unterbrochen, damit wir den Worten Ptolemaios (Anthony Hopkins) lauschen k\u00f6nnen. Leider bringt diese Rahmenhandlung \u00fcberhaupt nichts, sondern wirkt nur schulmeisterlich, indem sie nochmals wiederholt, was durch den Film selbst schon h\u00e4tte zum Ausdruck kommen sollen. Nicht nur der Schreiber ist gelangweilt, sondern auch die Zuschauer; schlussendlich l\u00e4sst Ptolemaios das soeben diktierte vernichten, und man w\u00fcnscht sich, das selbe Schicksal h\u00e4tte die Rahmenhandlung ereilt.<br \/>\nBei der Ausstattung wurden keine Kosten gescheut, um alles so detail getreu wie m\u00f6glich erscheinen zu lassen. Das Resultat ist beeindruckend; die orientalischen St\u00e4dte und Gew\u00e4nder erstrahlen in einer so noch nie gesehenen Farbenpracht. Auch die Schlachtszenen sind \u00e4usserst aufwendig, leider erinnern sie ein bisschen zu sehr an &#8222;Gladiator&#8220; wo Ridley Scott einen schockartigen Schnitt f\u00fcr das Schlachtgemetzel angewendet hat, ums so das Wesen so einer Schlacht besser vermitteln zu k\u00f6nnen<br \/>\nH\u00e4tten die Verantwortlichen doch bloss eben so viel Sorgfalt auf das Drehbuch verwendet. Denn sobald einer der Darsteller den Mund aufmacht, kommt nur schw\u00fclstiges, hochtrabendes Geschw\u00e4tz heraus; teilweise handelt es sich um Satzfetzen, wie wir sie schon in &#8222;Gladiator&#8220; und &#8222;Troja&#8220; geh\u00f6rt haben, so im Sinne &#8222;der Ruhm eines Helden lebt nach seinem Tode weiter&#8220;; das waren schon damals \u00f6de Platit\u00fcden, welche durch die x-te Wiederholung auch nicht besser werden.<br \/>\nBeinahe w\u00fcnscht man sich die Zeiten des Stummfilms zur\u00fcck&#8230;<br \/>\nTrotz wohlklingender Namen entt\u00e4uschen auch die Darsteller in diesem Film. Colin Farrell, in der Vergangenheit in Filmen wie Minority Report, Tigerland, etc. positiv in Erscheinung getreten, ist als Alexander meiner Meinung nach eine Fehlbesetzung; er vermag der Figur des Alexander keine emotionale Tiefe zu verleihen, er wirkt oft zerfahren, aufbrausend und in seinen Aktionen inkonsistent und wenig charismatisch. Angelina Jolie als Alexanders Mutter Olympias, die einem bizarren Schlangenkult huldigt, war der einzige Lichtblick in einer ansonsten eher entt\u00e4uschenden Schauspielerriege. \u00dcberzeugend mag sie die schwierige Position einer starken Frau in einer von M\u00e4nnern und dynastischem Machtstreben gepr\u00e4gten Gesellschaft zu verk\u00f6rpern, die versucht, die Stellung ihres Sohnes zu st\u00e4rken.<br \/>\nGrossen Wirbel hat im pr\u00fcden Amerika auch die explizite Darstellung von Alexanders homoerotischer Beziehung zu seinem lebenslangen Freund, Hephaistion (Jared Leto), der auch einer seiner f\u00e4higsten Gener\u00e4le war, verursacht. Dies sehe ich jedoch als eine der St\u00e4rken des Films an, widerspiegelt doch diese Beziehung zwischen den zwei M\u00e4nnern die griechische Normalit\u00e4t, wo solche Beziehungen ein Grundstein der Gesellschaft waren. Die Beziehung zu M\u00e4nnern war oftmals wichtiger und pers\u00f6nlicher als die zur Ehefrau, die man meist aus dynastischen Gr\u00fcnden heiratete, obwohl Alexanders Beziehung zu seiner Frau Roxane (Rosario Dawson) als sehr leidenschaftlich dargestellt wird. Es w\u00e4re jetzt aber falsch, Alexander als bisexuell im heutigen Sinne zu verstehen, in der Antike entsprach diese Lebensform dem Ideal (so nach zu lesen in Platons &#8222;Das Gastmahl), stellte also keine Abweichung der Norm dar. Auch die Szene, wo er (im Film leider etwas unmotiviert) den persischen T\u00e4nzer Bagoas \u00f6ffentlich k\u00fcsst, soll historisch \u00fcberliefert sein.<br \/>\nEs war abzusehen, dass die filmische Umsetzung des faszinierenden Lebens Alexander des Grossen schwierig sein w\u00fcrde. Es h\u00e4tte ein interessanter Film werden k\u00f6nnen, leider ist das Ganze aber zu konventionell, zu &#8222;Mainstream&#8220; angelegt, wobei der schlechte Dialog das seine dazu beitr\u00e4gt; der Film mag nicht zu bewegen, sondern nur zu langweilen, und das 175 min. lang.<\/p>\n<p>Originaltitel: Alexander (USA 2004)<br \/>\nRegie: Oliver Stone<br \/>\nDarsteller: Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Anthony Hopkins, Rosario Dawson, Jared Leto<br \/>\nDauer: 175 min.<br \/>\nCH-Verleih: Monopole Path\u00e9 Films AG<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opulent inszenierte, pathetisch verkl\u00e4rte Langeweile Nach der Wiederbelebung des Sandalenfilms durch &#8222;Gladiator&#8220; und dem Erfolg von historisch-mythischen Epen wie &#8222;Troja&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":365,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,3,9],"tags":[52,53],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=89"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":366,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/89\/revisions\/366"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/365"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=89"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=89"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=89"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}