{"id":84,"date":"2011-09-22T11:33:29","date_gmt":"2011-09-22T11:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=84"},"modified":"2019-01-08T03:58:09","modified_gmt":"2019-01-08T02:58:09","slug":"liebe-lieber-indisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=84","title":{"rendered":"Liebe lieber indisch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jane Austen in Bollywood<\/strong><\/p>\n<p>In ihrer zweiten Regiearbeit nach dem \u00dcberraschungserfolg &#8222;Bend it like Beckham&#8220; nimmt sich die indisch-st\u00e4mmige Gurinder Chadha einem der wohl bekanntesten und beliebtesten Romane der englischen Literatur an. In einem Akt der (umgekehrten) Aneignung verwandelt sie die georgianische Liebesgeschichte in ein opulentes Bollywood-Musical.<\/p>\n<p>Die gutb\u00fcrgerliche Familie Bakshis lebt in Amritsar, einer kleine Stadt im Pandschab. Da die Familie mit vier T\u00f6chtern gesegnet ist, besteht der gr\u00f6sste Ehrgeiz von Frau Bakshis darin, all ihren T\u00f6chtern zu vorteilhaften Partien zu verhelfen. Auf der Hochzeitfeier gemeinsamer Bekannter lernt Jaya, die \u00e4lteste Tochter, den attraktiven und verm\u00f6genden Balraj kennen. Balraj hat auch seinen Studienfreund aus seiner Zeit in Oxford, den amerikanischen Hotelier William Darcy (Martin Henderson) mitgebracht. Darcy h\u00e4lt Indien f\u00fcr ein ziemlich r\u00fcckst\u00e4ndiges Land und verleiht dieser Meinung auch Ausdruck; diese offen zur Schau gestellte Geringsch\u00e4tzung ihrer Kultur emp\u00f6rt die sch\u00f6ne Lalita (Aishwarya Rai \u2013 Miss World 1994), die zweit\u00e4lteste Tochter. Als sich die beiden in Goa, wo Darcy ein Hotel zu kaufen plant, erneut treffen, mokiert sich Lalita \u00fcber den Brauch westlicher Touristen, in einer Hotelanlage Ferien zu machen und danach das Gef\u00fchl zu haben, das Land und die Leute kennen gelernt zu haben. Um sich zu beruhigen macht sie einen Strandspaziergang, wo sie den Rucksacktouristen Johnny Wickham kennen lernt. Wickham kennt Darcy, steht aber nicht gerade in seiner Gunst, was die Bakshis Schwestern aber nicht davon abh\u00e4lt, ihn in das elterliche Haus einzuladen<br \/>\nZur\u00fcck in Amritsar erh\u00e4lt die Familie Besuch von Mr. Kholi, einem amerikanischen Inder, der auf der Suche nach einer traditionellen indischen Frau ist. Da Jaya so gut wie vergeben ist, hat ihn Mrs. Bakshis f\u00fcr Lalita vorgesehen, die denkt jedoch gar nicht daran, den schrulligen Mr. Kholi zu heiraten. Dieser verguckt sich stattdessen in Lalitas Freundin und als die Bakshis zur Hochzeit nach LA eingeladen werden, kreuzen sich die Wege von Darcy und Lalita erneut. Gerade als Lalita glaubt, sich ein vorschnelles Urteil gebildet zu haben, als sie Darcy als arroganten, unsensiblen Snob abtat, wird sie durch sein Verhalten in ihrer Meinung best\u00e4rkt und die zarte Romanze, die zwischen den beiden aufgekeimt ist, findet ein abruptes Ende. Unn\u00f6tig zu sagen, dass sich die beiden nach weiteren Irrungen und Wirrungen doch noch kriegen.<\/p>\n<p>Umgekehrte kulturelle Aneignung<br \/>\nGeschickt verlegt Chadha die klassische englische Romanze zwischen einem reichen Aristokraten und der selbstbewussten Tochter eines verarmten Landadligen ins Indien der Gegenwart. Aus den Bennets wird die Bakshis Familie und die Schwierigkeiten, 4 (5) T\u00f6chter zu verheiraten sind im modernen Indien genauso aktuell wie im England des 18.\/19.Jahrhunderts. Obwohl ein Teil der Konfliktsituationen, vor allem zwischen Lalita (Lizzie) und Darcy auf kulturelle Unterschiede zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, kommt auf Darcys Seite auch noch Standesd\u00fcnkel hinzu. Gr\u00f6sstenteils h\u00e4lt sich Chadha bez\u00fcglich der Abfolge der Ereignisse an die literarische Vorlage, doch das Ganze wird im Stil des bollywoodschen Kinos neu interpretiert. Die f\u00fcr westliche Augen befremdlich anmutende \u00dcberh\u00f6hung macht aber zugleich auch den Reiz aus: nicht nur Gef\u00fchle und Emotionen werden \u00fcberschw\u00e4nglich ausgelebt, sondern der Zuschauer wird auch von der unglaublichen Farbigkeit \u00fcberw\u00e4ltigt.<br \/>\nDie Gesang- und Tanzeinlagen, welche im Bollywood-Kino oft nicht so eng mit dem \u00fcbrigen Geschehen in Zusammenhang stehen, hat Chadha gekonnt mit der Erz\u00e4hlstruktur der Geschichte verwoben, wobei sie sich daf\u00fcr auch an klassischen Hollywood Musicals orientiert hat (Singin&#8216; in the Rain).<br \/>\nObwohl der Film gerade bez\u00fcglich ernsterer Themen wie kultureller Hegemonie-Anspr\u00fcche an der Oberfl\u00e4che bleibt, bietet er eine unterhaltsame und frische Umsetzung eines beliebten Literaturklassikers; trotz der kulturellen Transplantation bleiben die Figuren erkennbar.<\/p>\n<p>Originaltitel: Bride and Prejudice (GB \/ USA 2004)<\/p>\n<p>Regie: Gurinder Chadha<br \/>\nDarsteller: Aishwarya Rai, Martin Henderson, Daniel Gillies, Naveen Andrews, Namrata Shirodkar, Indira Varma, Nadira Babbar<br \/>\nDauer: 112 min.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jane Austen in Bollywood In ihrer zweiten Regiearbeit nach dem \u00dcberraschungserfolg &#8222;Bend it like Beckham&#8220; nimmt sich die indisch-st\u00e4mmige Gurinder<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":370,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46,3],"tags":[50,48,51],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=84"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":369,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions\/369"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/370"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=84"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=84"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=84"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}