{"id":74,"date":"2011-09-22T11:16:51","date_gmt":"2011-09-22T11:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=74"},"modified":"2019-01-08T23:44:56","modified_gmt":"2019-01-08T22:44:56","slug":"74","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=74","title":{"rendered":"Hidalgo &#8211; 3000 Meilen zum Ruhm"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Aragorn rides again&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong> <strong>In einer Zeit wo in Amerika im Bugwasser von 9\/11 die Patriot Act die pers\u00f6nliche Freiheit der B\u00fcrger massiv beschneidet, zelebriert Disney eben gerade diese Freiheit des Einzelnen auf der Leinwand und l\u00e4sst das Gef\u00fchl von Abenteuer wieder aufleben. Als Kontrast dazu werden die Menschen muslimischen Glaubens als von ihrer Religion verblendete Heiden dargestellt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Geschichte<\/strong><br \/>\nFrank Hopkins (Viggo Mortensen) ist Kurierreiter im amerikanischen Westen um 1890. Zusammen mit seinem Mustang, Hidalgo, hat er schon viele Distanzrennen gewonnen und daher erh\u00e4lt Hidalgo den Titel des ausdauernsten Pferdes der Welt. Als dies einer arabischen Gesandtschaft, die gerade in Amerika weilt, zu Ohren kommt, fordern sie Hopkins heraus, die Ausdauer seines Pferdes mit der von arabischen Vollbl\u00fctern zu messen, die ihrer Meinung nach unschlagbar sind. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern willigt Hopkins ein, am h\u00e4rtesten Ausdauerrennen durch die arabische W\u00fcste \u00fcber 3000 Meilen teilzunehmen. Bald merkt er, dass er nicht nur gegen die ungewohnte Hitze und Trockenheit ank\u00e4mpfen muss, sondern dass ihm auch Gefahr durch unvorhersehbare Sandst\u00fcrme und missg\u00fcnstige Konkurrenten droht. Ihm Zuge des Rennens wird Hopkins klar, dass er, um das Rennen zu gewinnen, sich auch den D\u00e4monen seiner Vergangenheit stellen muss. Dabei hilft ihm die aufkeimende Freundschaft zu Scheich Riyadh (Omar Sharif) und dessen Tochter Jazira (Zuleikha Robinson).<\/p>\n<p><strong>Die Propaganda<\/strong><br \/>\nNach seiner eindr\u00fccklichen Darstellung von Aragorn in der Lord of the Rings Trilogie ist dies der erste Film, in welchem Viggo Mortensen wieder mitspielt. Fans m\u00f6gen w\u00fcnschen, dass er eine bessere Wahl getroffen h\u00e4tte, doch Ger\u00fcchten zufolge haben ihm die Reitszenen in LOTR soviel Spass gemacht, dass er der M\u00f6glichkeit, diesen Film auch wieder auf dem R\u00fccken eines Pferdes zu verbringen, einfach nicht widerstehen konnte. Mortensen portr\u00e4tiert die innere Zerrissenheit von Hopkins glaubhaft, wenn auch leicht unterk\u00fchlt und Omar Sharif gibt Scheich Riyadh als charmanten Patriarchen mit ironischem Unterton. Die Reitszenen sind eindr\u00fccklich, wenn auch manchmal unglaubhaft und die Landschaftsaufnahmen wunderbar. An der Oberfl\u00e4che also ein unterhaltender Abenteuerfilm, der Spass f\u00fcr die ganze Familie verspricht mit wenig Gewaltszenen (es gibt kaum Tote) und gar keinen Sexszenen (abgesehen von ein paar Andeutungen). Ein ganz und gar unpolitischer Film, m\u00f6chte man meinen. Doch bei n\u00e4herer Betrachtung transportiert und zementiert der Film ur-amerikanische Wertvorstellungen. Der Film beginnt mit dem Massaker von &#8222;Wounded Knee&#8220;, wo die amerikanische Kavallerie am 29. Dezember 1890 200 M\u00e4nner, Frauen und Kinder vom Stamm der Sioux erbarmungslos niedermetzelte. Unser Held, Frank Hopkins, selbst aus einer Verbindung eines Armeescouts mit einer H\u00e4uptlingstochter entsprungen, \u00fcberbringt unwissentlich die Depesche, welche das Massaker autorisiert. In der Folge ertr\u00e4nkt Hopkins seine Schuldgef\u00fchle und seinen Selbsthass in Alkohol und tinkelt mit Buffalo Bills Wildwestshow durch die Lande, bis er eben zu dem Augenblick, wo er zum Rennen herausgefordert wird. Es geht im Film nicht darum, das Trauma der amerikanischen Urbev\u00f6lkerung aufzuarbeiten, sondern &#8222;Wounded Knee&#8220; wird dazu instrumentalisiert, den amerikanischen Wilden Westen als den Gr\u00fcndungsmythos einer &#8222;freien&#8220; und &#8222;zivilisierten&#8220; Nation schreiben, wobei das Massaker nicht die Kulmination einer gezielten Ausrottungskampagne war, sondern ein tragischer Unfall, ausgel\u00f6st durch das Fehlverhalten einzelner. Somit kann der Wilde Westen weiter existieren als der mythische Ursprung von Freiheit und Gleichheit. Auf der arabischen Halbinsel angekommen, begegnet Hopkins dann einer ganzen Palette von stereotypen muslimischen Charakteren. Da w\u00e4re zum einen Scheich Riyadh, der zwar charmant und wortgewannt ist, aber trotzdem patriarchalischen Strukturen verhaftet und abergl\u00e4ubisch, dann sein verschlagener und diebischer Sekret\u00e4r, welcher sich stets unterw\u00fcrfig verh\u00e4lt, und nicht zuletzt der habgierige und m\u00f6rderische Neffe, der nicht einmal davon zur\u00fcckschreckt, die Tochter seines Onkels zu entf\u00fchren, um ihn dazu zu bringen, sein Toppferd herauszugeben. Dem Klischee entsprechend, dass ein M\u00e4dchen nichts wert sei, ist Riyadh nat\u00fcrlich nicht bereit, sein bestes Pferd gegen seine Tochter einzutauschen. Der Orient wird portr\u00e4tiert, wie es ihn nie gegeben hat, wie er aber schon seit Jahrhunderten in der Imagination des Westens verankert ist. Um den amerikanischen Geist von Freiheit weiter zu untermauern, d\u00fcrfen auch ein paar d\u00fcpierte Briten in Form von bestechlichen Offizieren und weichlichen Aristokraten nicht fehlen. Um die Unterlegenheit des Orients zu demonstrieren, werden auch einige Sklaven vorgef\u00fchrt; in Amerika liegt ja die nominale Befreiung der Sklaven schon 27 Jahre zur\u00fcck. Das Hauptvehikel der ideologischen Botschaft von Amerikas \u00dcberlegenheit ist jedoch Hidalgo, ein Mustang ungewisser Abstammung, entstanden aus den von den Spaniern zur\u00fcckgelassenen Pferden. Das Pferd und Hopkins gewinnen das Rennen aufgrund von Durchhalteverm\u00f6gen und Willenskraft und beweisen somit allen, dass ein amerikanisches &#8222;Mischlingspferd&#8220; den besten arabischen Vollbl\u00fctern \u00fcberlegen ist. Die Geschichte soll auf wahren Begebenheiten im Leben von Frank Hopkins beruhen, wodurch sie historisch verankert wird und einen gewissen Anspruch auf Wahrheit erf\u00e4hrt. Da erscheint es dann als nebens\u00e4chlich, dass so ein Rennen historisch \u00fcberhaupt nicht belegt ist und dass sich im Distanzreitsport arabische Vollblutpferde seit Jahren als unschlagbar erweisen. Einige Leser m\u00f6gen jetzt einwenden, warum kann sie nicht einfach ins Kino gehen und den Film geniessen? Ja, auf einer Ebene geniesse ich es in Filme zu gehen und mich von den Bildern auf der Leinwand bezaubern zu lassen, aber auf einer andern Ebene werde ich dann immer von diesen ideologischen Botschaften bombardiert, die manchmal offensichtlich daherkommen und manchmal nur unterschwellig vorhanden sind, wie in diesem Film, was dann meinen Genuss jeweils etwas schm\u00e4lert. Hollywood-Filme erreichen ein grosses Publikum und transportieren und perpetuieren so amerikanische Werte auf der ganzen Welt. Als kritische Kinog\u00e4ngerin will ich mich jedoch nicht von dieser kulturellen Neo-Kolonisation vereinnahmen lassen und m\u00f6chte aufzeigen, wie uns auch harmlos daherkommende Abenteuerfilme die amerikanische Weltsicht vorgeben.<\/p>\n<p>&#8222;Hidalgo&#8220; (Action, Adventure) von Joe Johnston (USA) mit: Viggo Mortensen, Omar Sharif, Zuleikha Robinson, Adam Alexi-Malle, Louise Lombard<br \/>\nDauer: 136min<br \/>\nVerleih: Buena Vista International<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Aragorn rides again&#8220; In einer Zeit wo in Amerika im Bugwasser von 9\/11 die Patriot Act die pers\u00f6nliche Freiheit der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":399,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,39,10],"tags":[40,42,41],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions\/77"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/399"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}