{"id":32,"date":"2011-09-21T11:22:17","date_gmt":"2011-09-21T11:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=32"},"modified":"2019-01-07T23:03:30","modified_gmt":"2019-01-07T22:03:30","slug":"the-vampire-a-casebook","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=32","title":{"rendered":"The Vampire: A Casebook"},"content":{"rendered":"<p>Vampire \u00fcben heute mehr den je eine ungebrochene Faszination auf die Menschen aus. Im Mittelpunkt der popul\u00e4ren Imagination steht dabei die Gestalt des Dracula, 1897 (nach dem historischen Vorbild von Vlad Tepes) vom irischen Schriftsteller Bram Stoker ins Leben gerufen. Die meisten popul\u00e4rwissenschaftlichen wie auch wissenschaftlichen Beitr\u00e4ge befassen sich dabei mit dem literarischen Vampir in der Folge von Stoker&#8217;s Dracula und mit der nie abreissenden filmischen Verarbeitung dieses Stoffes; von Bela Lugosi als erstem Leinwand-Dracula bis hin zu Quentin Tarantinos kitschig-postmoderner Vision From Dusk till Dawn. Seltener sind B\u00fccher, die sich mit einer Beschreibung des volkst\u00fcmlichen Vampirglaubens befassen wie er vor allem bei den slavischen Ethnien und nat\u00fcrlich in Rum\u00e4nien vertreten ist. Der vorliegende Sammelband erhebt den Anspruch, die wichtigsten Beitr\u00e4ge zum osteurop\u00e4sichen Vampirglauben auf den Gebieten der Volkskunde, Anthropologie und der vergleichenden Literaturwissenschaft in sich zu vereinen. Zu beachten ist, dass obwohl das Buch 1998 erschienen ist, die meisten darin enthaltenen Beitr\u00e4ge aus den 80ern stammen. Der erste Aufsatz befasst sich bezeichnenderweise mit der Etymologie der Bezeichnung &#8222;Vampir&#8220;. Obwohl die Herkunft des Wortes umstritten ist, wird heute allgemein ein slavischer Urspung akzeptiert. Der zweite Beitrag stammt von Agnes Murgoci und wurde erstmals im Jahre 1926 in der Zeitschrift Folklore ver\u00f6ffentlicht. Trotz seines Alters ist dies ein bedeutender Text \u00fcber den Vampirglauben in Rum\u00e4nien, nicht zuletzt wegen der intimen Kenntisse der Autorin der rum\u00e4nischen Quellen und wegen der \u00dcbersetzung rum\u00e4nischer Legenden (ins Englische), die dadurch allgemein zug\u00e4nglich wurden. Die Autorin vermittelt ein Bild des Vampirglaubens anhand von Begr\u00e4bnisriten und Legenden. Auch der n\u00e4chste Aufsatz besch\u00e4ftigt sich mit dem Vampirglauben in Rum\u00e4nien. Dabei vergleicht Perkowsi zwischen 1931-1937 in ganz Rum\u00e4nien gesammelte Zeugnisse auf \u00c4hnlichkeiten und Unterschiede. Als eine Konstante stellt sich die Meinung heraus, dass die Toten zur\u00fcckkehren und zuerst \u00fcber ihre Verwandten und Tiere herfallen; meist f\u00e4llt dies mit unerkl\u00e4rlichen Krankheiten zusammen. Unterschiede gab es dagegen in den Kuren und Abwehrzeremonien, die f\u00fcr jedes Dorf spezifisch waren. Oinas schliesslich \u00f6ffnet den Blick auf den Vampirglauben in andern Kulturen, so ist der Vampirismus auch in Estland und Finnland bekannt, nur dem ungarischen Volksglauben sind Vampire relativ fremd. Fine beschreibt die vergeblichen Versuche der serbischen Autorit\u00e4ten, das wiederholte Ausgraben von Leichen zu verhindern. Der Beitrag von Krauss stammt von 1892 und beschreibt s\u00fcdslavische Abwehrmassnahmen gegen\u00fcber von Vampiren und wie man verhindert, dass aus Leichen Vampire werden. Zum selben Thema schreibt auch Caikanovic; dieser Text von 1923 wurde aus dem Serbischen \u00fcbersetzt. W\u00e4hrend die bisher erw\u00e4hnten Beitr\u00e4ge alle einen historisch-volkskundlichen Ansatz hatten, behandeln die letzten vier Aufs\u00e4tze das Thema aus einer ganz andern Perspektive. Du Boulay arbeitet mit einem strukturanthropologischen Ansatz und sieht zwischen Vampirglauben und Inzest-Taboo eine symbolische Korrespondenz des Blutes. Barber liefert gerichtsmedizinische Fakten zum Verwesungsprozess von Leichen und kann somit die meisten mit Vampirismus in Verbindung gebrachten Ph\u00e4nomene erkl\u00e4ren. Jaff\u00e9 und DiCataldo berschreiben den sognannten klinischen Vampirismus, einen seltenen psychopathologischen Zustand, bei dem der Patient nebst andern Symptomen fremdes oder auch sein eigenes Blut trinkt (Autovampirismus). Der Band schliesst mit einer psychoanalytischen Interpretation des Vampirmythos. Dabei sieht Dundes den Vampirglauben als eine Projektion der Wut \/ Schuldgef\u00fchle der \u00dcberlebenden auf die Toten, die zur\u00fcckkehren und sich r\u00e4chen. Ausserdem geht es um die Umkehrung des Geburtsaktes und der symbolischen Gleichsetzung von Mutterschoss und Grab. Das Blutsaugen wird als Aggression gegen die Brust gedeutet, verursacht durch die (empfundene) Vernachl\u00e4ssigung durch die Mutter. Damit korrespondiert auch die Meinung, dass sich der Begriff Vampir vom griech. Wort pi, welches die Wurzel von trinken ist, ableiten l\u00e4sst. Obwohl der Band teilweise schon \u00e4ltere Aufs\u00e4tze enth\u00e4lt, bietet er einen vielf\u00e4ltigen Einblick in den volkst\u00fcmlichen Vampirglauben Osteuropas. Er vereint sowohl die \u00e4ltesten wissenschaftlichen Beitr\u00e4ge, welche selbst schon fast als Quellen gelesen werden k\u00f6nnen, wie auch neuere Beitr\u00e4ge f\u00fchrender &#8222;Vampir&#8220;-Forscher. Der zweite Teil enth\u00e4lt Beitr\u00e4ge, die den Vampirglauben von benachbarten Disziplinen aus beleuchten und neue Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze aus naturwissenschaftlicher (Barber) und psychoanalytischer Sicht zu diesem Ph\u00e4nomen liefern. Nicht so recht zum Thema zu passen scheint der Beitrag von Jaff\u00e9 und DiCataldo, die den klinischen Vampirismus (ein psychiatrisches Ph\u00e4nomen) beschreiben, was wenig zum Verst\u00e4ndnis des Vampirglaubens in Osteuropa beitr\u00e4gt. Trotzdem ein spannender \u00dcberblick f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr den Ursprung des Vampirismus im osteurop\u00e4ischen Volksglauben interessieren.<\/p>\n<p>The vampire : a casebook \/ ed. by Alan Dundes. &#8211;  Madison, Wis. : The University of Wisconsin Press, 1998<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vampire \u00fcben heute mehr den je eine ungebrochene Faszination auf die Menschen aus. 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