{"id":23,"date":"2011-09-21T10:51:01","date_gmt":"2011-09-21T10:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=23"},"modified":"2019-01-08T03:44:57","modified_gmt":"2019-01-08T02:44:57","slug":"troja-troy","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=23","title":{"rendered":"Troja (Troy)"},"content":{"rendered":"<p><strong><span>Oder was sucht ein desillusionierter, post-moderner Antiheld in einem griechischen Epos?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach der erfolgreichen Wiederbelebung des Sandalenfilms durch Ridley Scotts&nbsp;<em>Gladiator<\/em>, d\u00fcrfen sich nun Fans dieses schon totgeglaubten Genres auf eine wahre Flut von Kinofilmen freuen, wo sich muskelbepackte Helden heroische Schlachten in epischer L\u00e4nge liefern. Bevor im Herbst zwei Filme \u00fcber&nbsp;<em>Alexander&nbsp;<\/em>den Grossen (von Oliver Stone und Baz Luhrmann) und ein Film \u00fcber die Kreuzz\u00fcge (Ridley Scott) in die Kinos kommen, bildet Wolfgang Petersens&nbsp;<em>Troja<\/em>&nbsp;in diesem Fr\u00fchling den Auftakt.<\/strong><\/p>\n<p>Wie der Titel unschwer erkennen l\u00e4sst, erz\u00e4hlt der Film die Geschichte des griechisch-trojanischen Krieges, wie in Homers klassischem Versepos&nbsp;<em>Illias<\/em>&nbsp;beschrieben. Eigentlich beginnt die Geschichte des trojanischen Krieges mit dem Urteil des Paris. Die drei G\u00f6ttinnen Hera, Athena und Aphrodite streiten sich, wer denn von ihnen die Sch\u00f6nste sei. Um den Streit zu entscheiden, wenden sich die G\u00f6ttinnen an Paris, mit allerlei Versprechen, was ihm zuteil werden solle, falls er sie w\u00e4hlen w\u00fcrde. Aphrodite verspricht ihm, dass die sch\u00f6nste Frau der Welt in Liebe zu ihm entbrennen w\u00fcrde und so \u00fcberreichte Paris den Apfel der Zwietracht ihr. Einige Zeit sp\u00e4ter begegnet Paris denn auch der sch\u00f6nen Helena und entf\u00fchrt sie (allerdings im Original in Abwesenheit ihres Gatten), was die Griechen allerdings nicht auf sich sitzen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Drehbuchautor (David Benioff) hat sich gegen\u00fcber der Vorlage ziemliche Freiheiten genommen, was ja prinzipiell dem Film nicht unbedingt abtr\u00e4glich sein muss, was aber bei&nbsp;<em>Troja&nbsp;<\/em>zu einigen grundlegenden Schw\u00e4chen gef\u00fchrt hat. Nicht nur ist in Homers Welt das Leben der Menschen unausweichlich vom Schicksal vorbestimmt, sondern die G\u00f6tter mischen sich auch des \u00f6fteren unter die gew\u00f6hnlichen Sterblichen. Petersen sagt, dass es ihm darum ging, einen &#8222;realistischen&#8220; Film machen, der die damalige Zeit m\u00f6glichst &#8222;authentisch&#8220; abbildet. Um diesen &#8222;Realit\u00e4tseffekt&#8220; zu erreichen, hat er jegliches Auftreten der G\u00f6tter aus der Geschichte gestrichen. Die G\u00f6tter fungieren nur noch als heidnische G\u00f6tzenbilder, quasi als Teil der Ausstattung. Dies wirft jedoch ein massives Problem auf, da die G\u00f6tter in der Vorlage an jeder Entscheidung und an jeder Aktion massgeblich beteiligt sind. Fallen die Vorsehung und die G\u00f6tter nun als Handlungstr\u00e4ger weg, so muss man \u00fcberlegen, wie den Entscheidungen und Handlungen sonst motiviert sind. Und genau an dieser Stelle kr\u00e4nkelt der Film. Ohne diesen Hintergrund sind einige Geschehnisse im Film nur schwer nachvollziehbar. &nbsp;Der Ausl\u00f6ser des Feldzuges gegen Troja ist der Raub der Helena; leider ist es \u00fcberhaupt nicht gelungen, die leidenschaftliche Liebe zwischen Paris und Helena zu beschw\u00f6ren, vielmehr wirkt das Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden lau und uninspiriert. Orlando Bloom hat eigenen Worten zufolge versucht, den Paris als poetischen, feinf\u00fchligen Liebhaber darzustellen, statt dessen kommt er als egoistischer Waschlappen r\u00fcber, der aus einer Laune heraus bereit ist, sein ganzes Land in den Krieg zu st\u00fcrzen. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, was Helena in ihm sieht. Auch beim ersten Auftritt von Achilles wird \u00fcberhaupt nicht klar, aus welchen Gr\u00fcnden er sich \u00fcberhaupt bequemt, auf dem Schlachtfeld zu erscheinen.<\/p>\n<p>Doch hat der Film auch einige St\u00e4rken, unter anderem eine gl\u00e4nzend aufspielende Schauspieler-Riege. Brian Cox mimt den raffgierigen mykenischen K\u00f6nig Agamemnon, dem jeder Vorwand recht ist, sich Troja unter den Nagel zu reissen und Sean Bean gibt in einer Nebenrolle den Odysseus als besonnenen und schlauen Taktiker.<\/p>\n<p>Der Film lebt haupts\u00e4chlich von der unglaublichen Pr\u00e4senz, die Brad Pitt als Achilles entwickelt. Achilles ist nicht als unverletzlicher Halbgott angelegt, sondern als zynischer, und dank seiner milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten unbezwingbarer S\u00f6ldner, der nichts f\u00fcrchtet, ausser dass sein Name mit ihm sterben k\u00f6nnte. Aus diesem Grund ist er auch bereit, am Kriegszug gegen Troja teilzunehmen, obwohl er f\u00fcr den Heerf\u00fchrer, Agamemnon, nichts als Verachtung \u00fcbrig hat. Sein Gegenspieler auf trojanischer Seite ist Prinz Hektor (solid Eric Bana), Bruder des Paris und Sohn des Priamus. Hektor ist ein Schlacht erprobter K\u00e4mpfer, rechtschaffen, mitf\u00fchlend, besonnen, und mutig zugleich w\u00e4hrend Achilles j\u00e4hzornig, aufbrausend, unbeherrscht,&nbsp;gleichg\u00fcltig und auf Ruhm aus ist. W\u00e4hrend Petersen keine Kosten gescheut hat, um pomp\u00f6se Schlachtget\u00fcmmel auf die Leinwand zu bannen, so ist es die Auseinandersetzung zwischen diesen zwei so unterschiedlichen M\u00e4nnern, die schlussendlich in einem Zweikampf ihren H\u00f6hepunkt findet, welche dem Film eine gewisse Spannung verleiht. W\u00e4hrend der Belagerung von Troja l\u00e4utert sich unser Antiheld; bei einem Scharm\u00fctzel erbeuten Achilles M\u00e4nner Briseis, eine Tempeldienerin und Cousine von Hektor; sie schliesslich vermag das Herz des Achilles zu erweichen und seine Fassade der Gleichg\u00fcltigkeit &nbsp;zu durchbrechen, was ihm schlussendlich zum Verh\u00e4ngnis wird.<\/p>\n<p>Obwohl bei der Nachbildung der R\u00fcstungen, Kost\u00fcme, Waffen und der Nachstellung der Schlachtszenen gr\u00f6sster Wert auf Detailtreue gelegt wurde, so bleibt der Film (vielleicht absichtlich) ganz in unserer Zeit verhaftet. Die Mentalit\u00e4t und Haltungen, die er widerspiegelt, basieren auf einer modernen Weltanschauung. Dies erm\u00f6glicht auch einen durch und durch atheistischen (Anti-)Helden, der sich keinen Wertvorstellungen verpflichtet f\u00fchlt, der aber trotzdem nach einer Art individuellem Ehrenkodex lebt.<\/p>\n<p>Obwohl der Film mit der Illias von Homer nicht so viel zu tun hat, ist er durchaus sehenswert, und die weiblichen Fans werden sich am durchtrainierten K\u00f6rper von Brad Pitt erfreuen k\u00f6nnen; wobei auch Ger\u00fcchte, das Pitt ein Oberschenkel-Double hatte, dem visuellen Genuss keinen Abbruch tun d\u00fcrften.<\/p>\n<p>&#8222;Troja&#8220; (Action, Abenteuer, Drama) Regie: Wolfgang Petersen (USA, 2004)<br \/>\nmit: Brad Pitt, Eric Bana, Orlando Bloom, Diane Kruger, Brian Cox, Sean Bean, Brendan Gleeson, Peter O&#8217;Toole<\/p>\n<p>Dauer: 163min<br \/>\nVerleih: Warner Bros.&nbsp;Pictures<\/p>\n<p>Web:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.warnerbros.de\/movies\/troy\/\">http:\/\/www.warnerbros.de\/movies\/troy\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder was sucht ein desillusionierter, post-moderner Antiheld in einem griechischen Epos? 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