{"id":177,"date":"2012-01-02T03:05:09","date_gmt":"2012-01-02T02:05:09","guid":{"rendered":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=177"},"modified":"2019-01-07T23:02:17","modified_gmt":"2019-01-07T22:02:17","slug":"avatar-aufbruch-nach-pandora","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/?p=177","title":{"rendered":"Avatar &#8211; Aufbruch nach Pandora"},"content":{"rendered":"<p>Trotz einiger Bedenken habe ich mich breit schlagen lassen, das neueste Werk vom &#8222;King of the World&#8220; (James Cameron) anschauen zu gehen; zum Gl\u00fcck in 3D (f\u00fcr diesen Film ein absolutes Muss), denn die Special Effects und die Fantasy-Welt von Pandora sind atemberaubend.<\/p>\n<p><strong>SYNOPSIS<\/strong><br \/>\nDer Plot ist so simpel wie altbekannt: die Erdbewohner haben auf dem fernen Planeten Pandora ein extrem wertvolles Mineral (Unobtanium, ein Wortspiel auf unobtainable = unerreichbar) entdeckt, nur haben leider die Ureinwohner ausgerechnet auf dem Hauptvorkommen ihren Lebensmittelpunkt in Form eines gigantischen Baumes. Um ans Erz ranzukommen, muss also das indigene humanoide Volk der Na&#8217;vi dazu bewegt werden, umzusiedeln. Um mehr \u00fcber die Na&#8217;vi und ihre Schw\u00e4chen zu lernen, wurden aus einer Mischung von menschlicher und Na&#8217;vi DNA Avatars gez\u00fcchtet, die aussehen, wie die einheimische Bev\u00f6lkerung. Der ehemalige paraplegische Marine Jake Sully (beeindruckent charismatisch Sam Worthington) wird aufgrund der Kompabilit\u00e4t seiner DNA auserkoren einen der Avatare zu &#8222;lenken&#8220;, da sein Zwillingsbruder, der eigentlich daf\u00fcr vorgesehen war, bei einem Raub\u00fcberfall ums Leben kommt. Die Leiterin des Avatar-Programms, die Biologin Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) ist gar nicht davon angetan, dass ihr ausgerechnet ein dumber Soldat ohne Kenntnisse der Sprache und Gebr\u00e4uche der Na&#8217;vi aufs Auge gedr\u00fcckt wird. Doch Jake l\u00e4sst sich davon nicht beirren und ist zu sehr angetan davon, dass er in Form seines Avatars wieder laufen kann. Im Laufe eines Erkundungsausfluges wird er von seinem Team getrennt und ger\u00e4t in der unwirtlichen Natur in Bedr\u00e4ngnis. Es kommt wie es kommen muss; er wird von der Tochter des Stammesf\u00fchrers, Neytiri (Zoe Saldana) gerettet. Mit seinen k\u00e4mpferischen Qualit\u00e4ten gewinnt er den Respekt der M\u00e4nner und mit seiner naiven Unbek\u00fcmmertheit das Herz der &#8222;Prinzessin&#8220;. W\u00e4hrend er die Sprache und Gebr\u00e4uche der Na&#8217;vi studiert, wird er von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), dem Sicherheitschef auf Pandora, als Milit\u00e4r-Spion verpflichtet, im Gegenzug will der Colonel daf\u00fcr sorgen, dass ihm die Operation finzanziert wird, so dass er wieder laufen kann. Nachdem der &#8222;Heimatbaum&#8220; der Na&#8217;vi bei einem brutalen Angriff zerst\u00f6rt wird und Jake zugibt, als Informant f\u00fcr das Milit\u00e4r gearbeitet zu haben, wenden sich die Na&#8217;vi von ihm ab. Jake erkennt, dass sein &#8222;wirkliches&#8220; Leben bei den Na&#8217;vi ist; seine Wahrnehmung was Traum und was Wirklichkeit ist, hat sich verschoben. Um die Na&#8217;vi zu einen, z\u00e4hmt er in einem halsbrecherischen Man\u00f6ver den mythischen Raubvogel &#8222;Toruk&#8220; und kann so die indigenen V\u00f6lker hinter sich vereinen. Vor dem grossen Entscheidungskampf fleht Jake Eywa um Hilfe an, aber Neytiri meint, &#8222;Mutter Natur&#8220; sei unparteiisch. Es kommt zur &#8222;Luftschlacht&#8220; um Pandora, die von den Na&#8217;vi gewonnen wird. In der Endsequenz entscheidet sich Jake dazu, sein Bewusstsein von seinem menschlichen Selbst permanent auf sein Avatar zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><strong>DARSTELLER<\/strong><br \/>\n<strong>Sam Worthington<\/strong>: der charismatische Australier \u00fcberzeugt sowohl als Jake Sully, wie auch als Avatar. Er strahlt eine ungeheure Leinwandpr\u00e4senz aus, mit der er schon in Terminator Salvation als Marcus Wright Hauptdarsteller Christian Bale an die Wand gespielt hat<br \/>\n<strong>Sigourney Weaver<\/strong>: cool, mit roten Haaren ist Dr. Grace Augustine eine Mischung aus Ellen Ripley (Aliens-Reihe) und Diane Fossey (Gorillas in the Mist)<br \/>\n<strong>Stephen Lang<\/strong>: Colonel Miles Quaritch wirkt \u00fcberzeichnet; er ist noch psychopathischer als Michael Biehn als Lt. Hiram Coffey in Abyss und noch schwerer tot zu kriegen als H. R. Gigers auserirdisches Monster<br \/>\n<strong>Zoe Saldana<\/strong>: schwierig zu beurteilen, welcher Anteil der Figur auf ihre Darstellung zur\u00fcck zu f\u00fchren ist, da sie im Film nur als Avatar vorkommt<br \/>\n<strong>Giovanni Ribisi<\/strong>: trotz relativ kleiner Rolle vermag Ribisi der von Zweifeln geplagten Figur des Parker Selfridge (als Galionsfigur des Sch\u00fcrf-Konsortiums RDA) Menschlichkeit einzuhauchen<br \/>\n<strong>Michelle Rodriguez<\/strong>: h\u00e4tte sie fast nicht wieder erkannt als Milit\u00e4rpilotin Trudy Chacon; blass<\/p>\n<p><strong>INTERTEXTUALIT\u00c4T<\/strong><br \/>\nJeder Zuschauer nimmt auf Grund seines sozio-kulturellen Hintergrundes Referenzen und Anspielungen auf andere kulturelle Texte (&#8222;Texte&#8220; umfassen hier im Sinne von Derrida nebst schriftlichen auch bildliche, filmische und andere Werke) unterschiedlich wahr. Wahrscheinlich ist es gar nicht m\u00f6glich, alle intertextuellen Referenzen zu benennen, zudem diese teilweise auch sehr subjektiv sind. Camerons Avatar ist gespickt mit solchen Verweisen und ich m\u00f6chte hier nur einige benennen, die mir pers\u00f6nlich aufgefallen sind.<br \/>\nBeim ersten Briefing, nachdem die neuen Soldaten und Wissenschaftler, unter ihnen Jake Sully, auf Pandora eingetroffen sind, begr\u00fcsst Sicherheitschef Colonel Quaritch die Neulinge mit den Worten &#8222;You are not in Kansas anymore&#8220;. Diesen Satz sagt Dorothy nachdem sie nach einem Tornado in einem magischen Land erwacht zu ihrem Hund Toto; nicht von ungef\u00e4hr gilt&nbsp;<em>The Wizard of Oz<\/em>&nbsp;als der erste Fantasy-Film \u00fcberhaupt. James Camerion sagt zwar, dass es sich bei Avatar um ein &#8222;Original-Script&#8220; handelt, wobei er einen ersten Entwurf schon vor \u00fcber 15 Jahren geschrieben hatte, aber die Filmtechnik sei bisher noch nicht so weit gewesen, den Film verwirklichen zu k\u00f6nnen. Obwohl die Geschichte nicht explizit auf einem Roman oder Comic basiert, sind doch viele mythische, literarische und und filmische Einfl\u00fcsse erkennbar. Die Geschichte vom weissen Abenteurer, der von der einheimischen Prinzessin gerettet wird und von ihr die Sprache und Br\u00e4uche lernt, mahnt stark an Pocahontas, die auch als Mittlerin zwischen ihrem Volk (Virginia-Algonkin) und den Kolonisten fungierte. Auch weitere Details, wie die Verbundenheit aller Dinge untereinander, sowie die schamanistische Kultur\/Religion der Na&#8217;vi sind am Vorbild der Ureinwohner Amerikas angelehnt. Dazu geh\u00f6rt dann auch der Initiationsritus junger Krieger \u00fcber eine Mutprobe.<br \/>\nAls fleissige Web-Nutzer sind wir fast t\u00e4glich mit einem Avatar unterwegs, sei es in Foren oder in Virtual Reality Games wie Second Life oder WoW. Laut Wikipedia ist ein Avatar &#8222;eine k\u00fcnstliche Person oder ein grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt&#8220;. Die Idee von zwei parallelen Welten, einer realen und einer virtuellen wurde ja schon von den Wachowski-Br\u00fcdern in der Matrix-Trilogie ausgelotet, wobei auch dort die Grenzen zwischen &#8222;real&#8220; und &#8222;virtuell&#8220; verwischt werden.<br \/>\nIn der &#8222;Z\u00e4hmung&#8220; des Toruk erkenne ich eine Grundstruktur von slavischen (und ungarischen) M\u00e4rchen, wo der Held den &#8222;Feuervogel&#8220; bezwingen muss, um die Gunst der Prinzessin zu erlangen, oder im Fall von Jake, &#8222;wiederzuerlangen&#8220;. Die Reittiere der Na&#8217;vi, die &#8222;Direhorses&#8220; erinnern mich mit ihren zwei Paar Vordergliedmassen an Odins mythologische Streitross &#8222;Sleipnir&#8220; (welches nat\u00fcrlich charakteristischerweise 8 Beine hat).<br \/>\nAuch die &#8222;Kampfroboter&#8220; haben wir in \u00e4hnlicher Art schon gesehen, und zwar einerseits in der originalen Star Wars Trilogie von George Lucas und andererseits als Laderoboter, mit welchem Ellen Ripley in der Schlussszene von Aliens (ebenfalls von James Cameron) das Monster bezwingt. \u00dcberhaupt scheint sich Cameron gern selber zu zitieren, so z.B. in der Szene, wo Grace Alexander nach der Trennung von ihrem Avatar aus der Schlafkapsel aufsteht und sofort nach einer Zigarette verlangt; in Aliens gibt es eine wunderbare Sequenz, in der wir eine Nahaufname von Ripleys Hand sehen, in der sie eine Zigarette h\u00e4lt, kurz nachdem sie aus ihrem K\u00e4lteschlaf erwacht ist&#8230;<\/p>\n<p><strong>KRITIK<\/strong><br \/>\nAuf einer intellektuellen Ebene stehe ich diesem Film sehr zwiesp\u00e4ltig gegen\u00fcber; einerseits finde ich ihn ein tolles Fantasyspektakel mit atemberaubenden Naturaufnahmen und spektakul\u00e4ren Special Effects, wobei die Grenzen zwischen &#8222;realen&#8220; Aufnahmen und visuellen Effekten so gekonnt verwischt werden, das wir uns in eine andere Welt versetzt f\u00fchlen, die uns aber vom ersten Augenblick an gefangen nimmt.<br \/>\nViele Kritiker haben dem Film \u00d6ko-Propaganda der plumpen Art vorgeworfen; es ist bestimmt nicht verkehrt, einen Film dazu zu nutzen, auf die \u00f6kologischen Probleme auf unserer Welt aufmerksam zu machen. Doch ist das ein vielschichtiges Problem, welches in Avatar leider viel zu eindimensional daher kommt. So ist wird alles, was irgendwie mit Natur zu tun hat, mit positiven Eigenschaften versehen und alles, was mit Technik oder Maschinen zu tun hat, wird verteufelt. Selbstverst\u00e4ndlich besiegen die indogenen Na&#8217;vi mit Hilfe ihrer mythischen Flugtiere das modernste, was menschliche Technik zu bieten hat. Ein Wunschtraum, hat uns doch die Geschichte gelehrt, dass in der Vergangenheit der Vorteil meist bei der technisch \u00fcberlegenen &#8222;Nation&#8220; lag. Es liegt auch eine gewisse Ironie darin, dass dieser als &#8222;\u00d6ko-M\u00e4rchen&#8220; verkleidete Film nur mithilfe modernster CGI-Technik realisierbar war und all die wundersch\u00f6nen Landschaften und Fabelwesen beinahe komplett am Computer generiert wurden.<br \/>\nNicht nur aufgrund der offensichtlichen Pocahontas-Parallele erscheint das Volk der Na&#8217;vi wie eine Schablone f\u00fcr die Urbev\u00f6lkerung Amerikas; Cameron bedient von vorne bis hinten alle g\u00e4ngigen Stereotypen der Indianer, von gef\u00e4hrlichen Initiationsriten, einer schamanistischen, naturverbundenen Religion bis hin zum edlen Wilden. Aus kultur-kritischer Perspektive kommt so eine reduktive Darstellung sehr neo-imperialistisch daher. Schade, denn ein differenzierter Umgang mit dem schwierigen Thema vom Aufeinander Treffen von indigener Bev\u00f6lkerung und (amerikanischen) Kolonisten und dem Raubbau an nat\u00fcrlichen Ressourcen h\u00e4tte dem Film sicher nicht geschadet. Die Kolonisten sind zwar f\u00fcrs erste zur\u00fcck gedr\u00e4ngt, aber es ist eigentlich klar, dass sie zur\u00fcck kommen werden; der Terminator l\u00e4sst gr\u00fcssen.<\/p>\n<p>Originaltitel: Avatar (USA 2009)<br \/>\nBuch und Regie: James Cameron<br \/>\nDarsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana,&nbsp;Stephen Lang, Sigourney Weaver, Giovanni Ribisi, Michelle Rodriguez<br \/>\nDauer: 162 min.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz einiger Bedenken habe ich mich breit schlagen lassen, das neueste Werk vom &#8222;King of the World&#8220; (James Cameron) anschauen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":345,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4,39,6,3,7],"tags":[77,79,78],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/177"}],"collection":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=177"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":347,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/177\/revisions\/347"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/345"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/tonkinese.ch\/mowe\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}